Jede Sekunde sterben im menschlichen Körper mehrere Millionen Zellen den programmierten Zelltod (Apoptose). Ist das System gestört, sterben zu viele Zellen oder zu wenige. Bei Krebs ist das natürliche Zellsterben gehemmt, die Krebszellen können gedeihen. Bei einer HIV-Infektion hingegen sterben die Immunzellen des Körpers zu schnell ab und das Abwehrsystem des Körpers bricht zusammen.

Wie und warum sich Zellen "entscheiden" zu sterben, darüber hat das preisgekrönte internationale Forscherteam mit Prof. Dr. Klaus-Michael Debatin, dem Dekan der Medizinischen Fakultät der Universität Ulm, neue Erkenntnisse gewonnen. Sie fanden heraus, dass die Mitochondrien, eine funktionelle Untereinheit der Körperzellen, den Zelltod mit kontrollieren. Wird die Hülle der Mitochondrien durch verschiedene Einflüsse durchlässig, werden Proteine freigesetzt, die zum Zelltod beitragen.

Die Erkenntnisse der Forschergruppe öffnen neue Wege in der Krebstherapie: So kann durch die genaue Untersuchung der Mitochondrien bestimmt werden, wie gut ein Leukämie-Patient auf eine Chemotherapie ansprechen wird. Das preisgekrönte Team hat außerdem Strategien entwickelt, mit denen man Tumorzellen wieder zu einem natürlichen Absterben bringt.

Professor Debatin zeigte sich hoch erfreut über den Preis. Er mahnte: "Forschung braucht eine Spielwiese. Keine Innovation der letzten Jahrzehnte entstand nur geplant - auch nicht die für den Descartes-Preis." Der Preis wurde von der Bundesforschungsministerin Dr. Annette Schavan in Brüssel übergeben. Der Descartes-Preis wird seit sieben Jahren von der Europäischen Kommission mit einem Preisgeld von insgesamt 1 Million Euro an internationale Forscherteams verschiedener Bereiche vergeben.

MEDICA.de; Quelle: Universitätsklinikum Ulm