Klinische Studien: Designs methodisch analysiert

02.04.2013

Foto: Tabellenkalkulation

466 klinische Studien wurden auf ihre Fallzahlberechnungen untersucht. Tendenziell wurden mehr Patienten als nötig einbezogen;
© panthermedia.net/Britt Weykam

In der klinischen Forschung muss die Zahl der einbezogenen Patienten aus wissenschaftlichen wie ethischen Gründen sorgfältig geplant werden. Nun war es Forschern erstmals möglich, Fallzahlberechnungen anhand von Originalprotokollen auszuwerten.

"Ob die Studie überhaupt ausreichend Information sammeln kann, um die gestellte Forschungsfrage zu beantworten, hängt in erster Linie mit der für die Studie benötigten Zahl von Patienten zusammen", sagt Professor Ulrich Mansmann vom Institut für Medizinische Informationsverarbeitung, Biometrie und Epidemiologie, dessen Team nun gemeinsam mit der Britischen Health Research Authority ein methodisches Review von 446 Forschungsprotokollen zu randomisierten klinischen Studien der Phasen II, III, IV durchführte.

Zu diesem Zweck erhielten Wissenschaftler erstmals Gelegenheit - unter Beachtung strenger Vertraulichkeitsregeln - Forschungsprotokolle, die im Jahr 2009 bei britischen Ethikkommissionen eingereicht wurden, methodisch kritisch und repräsentativ auszuwerten. Speziell untersuchten Tim Clark und Doktor Ursula Berger, auf welche Art sich ein Protokoll damit auseinandersetzt, wie viele Probanden in die Studie einbezogen werden müssen.

"Werden zu wenige Patienten eingeschlossen, lässt sich aufgrund ungenügender Information keine Antwort finden, werden zu viele eingeschlossen, so stellt die unnötige Exposition mit einer Therapie, deren Risikoprofil noch unklar ist, ein ethisches Problem dar", erklärt Mansmann.

Statistik bietet mit Fallzahlberechnung ein Instrument, das den Informationsgehalt einer Studie quantifizieren kann und dabei wesentliche Studienaspekte wie Genauigkeit, Effekt, Variabilität in der betrachteten Studienpopulation und logistische Aspekte berücksichtigt. Wie Fallzahlberechnungen in Studien durchgeführt werden, war deshalb die zentrale Frage dieser Untersuchung. Ob und wie die für eine Fallzahl benötigten Annahmen begründet werden, ist ebenfalls ein Indikator für die Qualität der geplanten Studie.

Im Ergebnis enthielten die meisten der 446 Studienprotokolle nur unzureichende Information, um eine korrekte Fallzahlberechnung durchzuführen. Dabei berichteten Studien kommerzieller Sponsoren öfter die notwendigen Annahmen zur Fallzahlberechnung als akademische Studien. Dafür lag bei den akademischen Studien für die berichteten Annahmen eher eine Begründung vor als bei kommerziellen Studien. Es konnte ein Trend hin zu größeren Fallzahlen beobachtet werden, als aufgrund der im Protokoll formulierten Annahmen notwendig gewesen wäre.

Der methodische Review der Protokolle ermöglicht die Entwicklung von Instrumenten, mit denen Ethikkommissionen die methodische Sorgfalt bei klinischen Studienprotokollen objektiver prüfen können. "Eine Verbesserung des Begutachtungsprozesses klinischer Studien kann wiederum zu einer Erleichterung und Verbesserung der methodischen Planung bei den Antragstellern führen", schließt Mansmann.

MEDICA.de; Quelle: Ludwig-Maximilians-Universität München