Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zieht eine positive Bilanz der EU-Osterweiterung. Der Außenhandel zwischen Deutschland und den acht im Jahr 2004 beigetretenen mittel- und osteuropäischen Ländern hat sich nach der Erweiterung dynamisch entwickelt. Die Exporte Deutschlands in die Beitrittsländer sind von 56,2 Milliarden Euro im Jahr 2003 auf 64 Milliarden Euro im Jahr 2005 gestiegen, die Importe im gleichen Zeitraum von 55,3 auf 59 Milliarden Euro. In der Summe betrachtet könne also von einer Verlagerung der Wertschöpfung in die neuen Mitgliedsstaaten keine Rede sein, so die Autoren der Studie Timo Baas, Herbert Brücker und Elmar Hönekopp.

Der Außenhandel Deutschlands mit den acht Beitrittsländern habe inzwischen das Niveau des Handels mit den USA erreicht. "Eine Abschwächung des dynamischen Wachstumstrends ist gegenwärtig nicht zu erkennen", schreiben die IAB-Wissenschaftler in ihrer Studie.

Noch ist offen, ob Deutschland die derzeit geltenden Beschränkungen der Arbeitnehmerfreizügigkeit bereits 2009 oder erst 2011 aufheben will. Die Modellrechnungen zeigen, dass durch die EU-Osterweiterung in jedem Falle das Bruttoinlandsprodukt (BIP) und die Löhne steigen, während die Arbeitslosenrate sinkt.

Sofort die volle Arbeitnehmerfreizügigkeit einzuführen, brächte für das deutsche BIP ein zusätzliches Plus. Bleibt die Zuwanderung bis 2011 beschränkt, wird das BIP laut den IAB-Simulationsrechnungen durch die EU-Osterweiterung insgesamt um 1,02 Prozent steigen. Bei dem hypothetischen Szenario der sofortigen Einführung der Freizügigkeit für alle zehn Beitrittsländer würde das Wachstum des BIP mit 1,44 Prozent dagegen um 0,42 Prozentpunkte höher ausfallen.

Der erweiterungsbedingte Rückgang der Arbeitslosigkeit und das Lohnwachstum wären in diesem Fall allerdings geringer. Der Rückgang der Arbeitslosenrate reduziert sich in dem hypothetischen Szenario um 0,25 Prozentpunkte von 0,64 auf 0,39 Prozent. Auch ergeben sich in diesem Szenario aufgrund der Ausweitung des Arbeitskräfteangebotes in einzelnen Sektoren sinkende oder weniger stark steigende Löhne.

MEDICA.de; Quelle: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit