Zu früh Geborene leiden häufig an Lungenerkrankungen. Oft müssen sie künstlich beatmet werden. Früher hat man dazu Dexamethason verabreicht, bis man bemerkte, dass dies zu neurologischen Entwicklungsstörungen führen kann. Es ist bekannt, dass Dexamethason auch negative Auswirkungen auf die Knochenmineralisation hat. Man wußte bislang aber nicht, ob sich diese Störung der Knochenmineralisation bis ins Kindes- und Jugendlichenalter hinein auswirkt.

Nun hat man in einer Studie 22 Kinder im Alter zwischen fünf und acht Jahren untersucht, die in den Jahren 1994 bis 1999 vor der 34. Schwangerschaftswoche auf die Welt gekommen waren. Alle hatten damals an einer Lungenerkrankung gelitten und erhielten daher zusätzlichen Sauerstoff. 15 dieser 22 Kinder waren zusätzlich mit Dexamethason behandelt worden. 26 weitere Kinder, die ebenfalls zu früh auf die Welt gekommen waren, dienten als Kontrollgruppe. Bei ihnen waren keine Lungenschäden aufgetreten. Die Knochendichte wurde bei allen Kindern untersucht.

Im Vergleich zu jenen Frühgeborenen, die kein Dexamethason erhalten hatten, war die Gesamt-Knochendichte bei den Kindern nach Dexamethason um durchschnittlich sechs Prozent geringer (p gleich 0.029). In den lumbalen Knochenwirbeln lag die Knochendichte um fünf Prozent niedriger (p gleich 0.044).

Auch wenn die Studie nur wenige Teilnehmer hatte, so kommen die Studienleiter doch zu einem vorsichtigen Schluss: Wenn Neugeborenen in der neonatalen Phase Dexamethason verabreicht wird, dann behindert dies offenbar die Knochenmineralisation bis in das höhere Kindesalter hinein. Nun sollen weitere Studien zeigen, ob dieses Defizit in den späteren Lebensjahren ausgeglichen werden kann oder sich das Mineralisationsdefizit bis ins Jugendalter weiter verfolgen lässt.

MEDICA.de; Quelle: Arch Dis Child Fetal Neonatal Ed 2008, Vol. 93, S. F222-F224