Viele Erwachsene leiden an Migräne. Studien zeigen, dass bis zu sechs Prozent aller Männer und 15 bis 17 Prozent aller Frauen weltweit davon betroffen sind. Migräne kostet viel Geld, da die Betroffenen häufig bei der Arbeit ausfallen. Die Medizin kennt zahlreiche Wirkstoffe, die gegen die Migräne wirksam sind. Viele dieser Substanzen helfen aber kaum bei akuten Migräneattacken.

Hinzu kommt, dass selbst bei erfolgreicher Behandlung einer akuten Attacke die Beschwerden oft innerhalb von 24 Stunden wiederkehren. In der Pathophysiologie dieser Erkrankung spielen Entzündungsfaktoren eine wichtige Rolle. Ob man Migränepatienten in der akuten Attacke mit Kortikoiden helfen kann, wurde nun untersucht.

Wissenschaftler haben die elektronischen Datenbanken durchsucht, um alle verfügbaren Daten zu dieser Frage einer Meta-Analyse zu unterziehen. Außerdem befragten sie Experten und zogen die medizinischen Leitlinien hinzu.

Lediglich sieben Studien konnten den hohen Anforderungen an das Studiendesign genügen. In allen Studien hatte man die akute Migräneattacke zunächst mit den üblichen Wirkstoffen bekämpft und dann randomisiert parenteral Dexamethason verabreicht oder Placebo.

Enttäuschung gab es in Bezug auf die akute Schmerzreduktion. Was die aktuelle Migräneattacke anbelangt ist das Kortikoid Placebo nicht überlegen. Allerdings kann Dexamethason offenbar das Risiko eines Rezidivs deutlich senken: Im Vergleich zu Placebo sank das Risiko, dass einer Migräneattacke innerhalb von 72 Stunden eine weitere folgt, um 26 Prozent. Dabei hatte Dexamethason kaum stärkere Nebenwirkungen als Placebo. Statistisch betrachtet muss man neun Patienten nach einer akuten Migräneattacke parenteral mit Dexamethason behandeln, um ein Migränerezidiv zu verhindern.

MEDICA.de; Quelle: British Medical Journal 2008, Vol. 336, S. 1359-1361