Die Retinopathie wird gemeinhin als eine der Spätfolgen des Diabetes mellitus betrachtet. Sie kann zur Erblindung führen. Offenbar leiden jedoch schon Patienten in einem prädiabetischen Stadium an Retinopathie. Das zeigt eine Substudie des "Diabetes Prevention Program" (DPP), die jetzt beim Jahreskongress der American Diabetes Association (ADA) in San Diego vorgestellt wurde.

An dieser Studie nahmen 302 Patienten der DPP-Studie teil. Alle Patienten litten an einem Prädiabetes. Fünf Jahre lang wurden sie halbjährlich untersucht. Insbesondere untersuchten die Studienleiter die Augen der Patienten. Klare Anzeichen einer Retinopathie entdeckten sie immerhin bei 7,6 Prozent der Patienten. Unter jenen Patienten, die seit Beginn der DPP-Studie einen manifesten Diabetes mellitus entwickelten, lag die Retinopathie-Rate bei 13 Prozent.

Die Läsionen der Retina sind bei prädiabetischen Patienten die gleichen wie bei Patienten, die bereits seit Jahren klinisch krank sind. Das sagte einer der DPP-Studienleiter beim Jahreskongress in San Diego. Das bedeutet einerseits, dass es sich qualitativ um die gleiche Art von Retinopathien handeln muss. Andererseits weiß man noch nicht genau, welche Bedeutung dies hat. Immerhin könnte dieser Befund dabei helfen, herauszufinden, wann ein Prädiabetes in einen manifesten Diabetes mellitus übergeht.

Das ist nicht ohne Bedeutung, denn nicht selten vergehen drei bis fünf Jahre seit den ersten Anzeichen eines Diabetes mellitus, eher dieser tatsächlich diagnostiziert wird. Immerhin verdeutlich dies den Wert eines frühzeitigen Screenings. Experten gehen nun davon aus, dass dem Prädiabetes mehr Beachtung geschenkt werden wird. Bislang habe es nur wenige Studien dazu gegeben, so war auf dem Jahreskongress zu hören.

MEDICA.de; Quelle: 65. wissenschaftliche Jahrestagung der American Diabetes Association (ADA) Late-breaking trials