Man schätzt, dass durch Notfall-Kontrazeption das Risiko einer ungewollten Schwangerschaft um 75 Prozent gesenkt werden kann. Wird die "Pille danach" prophylaktisch verteilt, dann verdoppelt sich etwa die Einnahmerate. Kaum eine Studie hat sich aber bislang der Frage gewidmet, ob sich bestimmte Parameter des sexuellen Verhaltens ändern, wenn eine Frau leichteren Zugang zur "Pille danach" hat.

Zwischen Juli 2001 und Juni 2003 wurden 2.117 Frauen an vier kalifornischen Praxen beziehungsweise Kliniken im Rahmen einer Studie randomisiert einer von drei verschiedenen Gruppen zugeteilt: Sie erhielten entweder im Bedarfsfall rasch die "Pille danach" über eine Apotheke, bekamen auf Vorrat drei Packungen Levonorgestrel oder erhielten Zugang zu diesem Medikament über eine Klinik, also nachdem der Bedarf entstanden war.

Offenbar macht es kaum einen Unterschied, ob Frauen sich nach ungeschütztem Verkehr die "Pille danach" in einer Apotheke oder einer Klinik holen müssen: Die Raten lagen bei 21,0 beziehungsweise 24,2 Prozent (p gleich 0.25). Lagen die Pillen auf Vorrat, wurden sie dagegen rund doppelt so häufig genutzt. Die Häufigkeit ungeschützten Verkehrs war aber ungefähr gleich hoch und lag bei etwa 40 Prozent in allen Gruppen.

Während des Studienzeitraums wurden acht Prozent jener Frauen, die ungeschützten Geschlechtsverkehr hatten, schwanger. 21 Prozent der Frauen fingen sich eine Geschlechtskrankheit ein. Die Rate ungewollter Schwangerschaften wie auch Geschlechtskrankheiten war über alle drei Gruppen ungefähr gleich hoch. In allen Gruppen waren die Muster des Einsatzes von Verhütungsmitteln oder die sexuellen Gewohnheiten vergleichbar.

MEDICA.de; Quelle: Journal of the American Medical Association 2005, Vol. 293, S. 54-62