Die Aggressivität des Tumors an seinen microRNAs ablesen

Foto: Querschnitt durch eine Prostata

Feingeweblicher Querschnitt durch
eine menschliche Prostata: In
der Mitte erkennt man die
schlitzförmige Harnröhre. Das
Areal des Prostatakrebses ist
durch Punkte markiert. Am
linken Bildrand zeigt sich eine
fingerförmige Ausbreitung des
Tumors in das umgebende
Gewebe als Hinweis auf ein
aggressives Verhalten; © Charité
Berlin

Ziel des Projektes ist es, das Wachstumsverhalten dieses Tumortyps besser vorhersagen und damit den Patienten in Zukunft eine maßgeschneiderte Therapie ihrer Krebserkrankung anbieten zu können.

Das Prostatakarzinom, die Krebserkrankung der Vorsteherdrüse, ist in der westlichen Welt die häufigste bösartige Erkrankung des Mannes und die zweithäufigste krebsbedingte Todesursache. Eine Besonderheit dieses Tumors ist sein individuell sehr unterschiedliches biologisches Verhalten. Dieses reicht von relativ harmlosen Tumoren, die lediglich einer regelmäßigen Beobachtung bedürfen, bis zu hochaggressiven Tumorformen, die einer radikalen Operation oder einer Strahlentherapie zugeführt werden müssen und dennoch oft nicht geheilt werden können. Klinische Untersuchungen und feingewebliche mikroskopische Analysen können die Aggressivität eines Tumors zwar bis zu einem gewissen Grad vorhersagen, im Einzelfall bleibt jedoch oft eine Unsicherheit bezüglich der optimalen Therapieform.

MicroRNAs sind kurze Sequenzen des menschlichen Erbmaterials, die an der Regulation der Genaktivität beteiligt sind. Bisher wurden etwa 1.000 verschiedene Formen entdeckt. Untersuchungen mehrerer Arbeitsgruppen haben ergeben, dass microRNAs auch wesentlich an der gestörten Genregulation in menschlichen Tumoren beteiligt sind. Dabei lassen sich microRNAs, die die Tumorentstehung eher unterdrücken, von solchen unterscheiden, die Tumorentstehung und -Wachstum fördern. MicroRNAs sind in Tumorgewebe und Normalgewebe deshalb unterschiedlich stark vertreten. Die Forscher konnten bereits zeigen, dass bestimmte Expressionsmuster von microRNAs in urologischen Tumoren wiederkehren und mit dem biologischen Verhalten des Karzinoms in Zusammenhang stehen.

Die Wissenschaftler wollen nun eine größere Zahl von Prostatatumoren, die durch eine Operation entfernt wurden, auf ihr spezifisches microRNA-Profil untersuchen. Die Analysen der microRNAs nehmen die Forscher an archiviertem Gewebe vor, welches von Patienten im Rahmen von routinemäßigen Kontrollen zur Verfügung gestellt worden ist.

Die Forscherteams vergleichen die microRNA-Profile aus Gewebeproben von Patienten, die innerhalb von zwei Jahren nach der operativen Prostataentfernung bereits ein Wiederauftreten des Tumors erlitten mit Patienten die mindestens fünf Jahre keinen neuen Tumor entwickelt haben. Die Studie gliedert sich dabei in eine Identifizierungsphase, in der die relevanten microRNAs gefunden werden sollen, eine Validierungsphase, in der die Ergebnisse an einem größeren Kollektiv überprüft werden, und eine Verifizierungsphase, in der die gewonnenen Erkenntnisse an einem Kollektiv eines anderen Klinikums bestätigt werden sollen.

MEDICA.de; Quelle: Wilhelm-Sander-Stiftung