Die Alzheimerschere im gesunden Körper

A und B: Nervenfortsätze mit dicker
Myelinschicht; C und D: ohne BACE
mit reduzierter Hülle; © Uni München

BACE schneidet aus einem Vorläuferprotein das beta-Amyloid oder Abeta heraus, welches zu Plaques verklumpt. In der Umgebung dieser Ablagerungen sterben dann Neuronen in großer Zahl ab. Mögliche Therapieansätze für Alzheimer könnten darauf abzielen, die beta-Sekretase zu blockieren - wenn erst die Funktion des Enzyms im gesunden Körper bekannt ist.

Ein Team um Professor Christian Haass von der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München hat nun herausgefunden, dass BACE für die Myelinisierung von Nervenzellen nötig ist. Dabei wickeln sich Gliazellen um die Neuronen und ermöglichen unter anderem die rasche Signalweiterleitung am Nerv. BACE ist also wichtig im Körper und "die Funktion des Enzyms bei der Entstehung von Alzheimer wohl eher so etwas wie ein Unfall", meint Haass.

"Das Enzym induziert nämlich ein Signal auf Nervenfortsätzen, das die elektrische Isolation durch Gliazellen einleitet", so Haass. "Wird das Gen der Enzymschere entfernt, ist diese so genannte Myelinisierung aber erheblich reduziert." Die lange als passive Helfer verkannten Gliazellen sind nicht nur um ein Vielfaches häufiger als Neuronen im Gehirn. Sie erfüllen auch wichtige Funktionen. So stützen sie die Nervenzellen, versorgen sie und beeinflussen deren Bewegung sowie das neuronale Wachstum.

Zudem senden sie selbst Signale aus und wirken bei der Informationsverarbeitung mit. Am bekanntesten sind sie aber als Baustein der Myelinhülle: Nervenzellen brauchen diese Isolierschicht, um Signale schnell und effizient weiterleiten zu können. "Die Aufklärung der normalen Funktion von BACE ist nicht nur für das Verständnis der Myelinisierung wichtig", meint Haass. "Es ist nun auch erstmals möglich, gezielt nach schadhaften Wirkungen von Inhibitoren des Enzyms zu suchen - wie auch nach therapeutisch wirksamen Dosen potentieller Medikamente, die eine Myelinisierung noch zulassen."

MEDICA.de; Quelle: Ludwig-Maximilians-Universität München