Die Augenchirurgie der Zukunft: ambulant, schonend und effizient

07/12/2016

Die moderne Augenchirurgie der Zukunft ist ambulant, schonend und effizient. "Die Vision für die Zukunft ist eine Augenklinik ohne Betten", sagt Ursula Schmidt-Erfurth, Leiterin der Universitätsklinik für Augenheilkunde und Optometrie an der Medizinischen Universität Wien.

Bild: Eine junge Frau liegt vor einer Augen-OP auf einem Tisch; Copyright: panthermedia.net/robertprzybysz

Die Augenchirurgie der Zukunft wird größtenteils minimalinvasiv sein und ambulant stattfinden können; ©panthermedia.net/ robertprzybysz

Ambulante und schonende Behandlung bedeutet: schmerzfrei, nicht-invasiv, ohne Narkose und mit einem kurzen Aufenthalt an der Tagesklinik. "Das ist effizient für den Arzt, für die Patienten, die gleich wieder nach Hause gehen können – und für das Gesundheitssystem, weil extrem kostensparend", fasst Schmidt-Erfurth zusammen.

Die Kataraktoperation (Grauer Star) hat bereits vor Jahren ihren Einzug in die Tageschirurgie genommen, nun steht die letzte Bastion, die komplexe Augenchirurgie, ebenfalls vor diesem revolutionären Schritt. Grundsatzfragen wie die Entscheidung, ob eine Augenklinik überhaupt noch Patientenbetten braucht und ob die üblichen Kontrolluntersuchungen nach großen Augeneingriffen überhaupt erforderlich sind, werden von der Wissenschafts-Community in der Augenheilkunde heftig diskutiert. Schmidt-Erfurth: "US-Amerikanische Kollegen sind bereits dabei, auch große Netzhautoperationen gar nicht mehr an Kliniken stattfinden zu lassen, sondern in der individuellen Ordination."

Auch in der Netzhautchirurgie haben neue technologische Errungenschaften die Operationstechniken grundlegend geändert. So sind bisher relevante Paradigmen wie die tagelange Bauchpositionierung von Patienten mit Gas-Tamponade im Auge oder das Vorgehen bei pathologischen Membranen auf der Netzhautmitte, die für die Patienten eine erhebliche optische Konsequenz haben, aktuell in kontroverser Diskussion.

Der internationale Trend in der Netzhautchirurgie, so die MedUni Wien-Experten Schmidt-Erfurth, Rupert Menapace und Michael Georgopoulos, geht in Richtung Einsatz von mikroskopisch-dünne Endoskope oder die Etablierung des digitalen Imaging in die Netzhaut- und Glaskörperchirurgie. "Die Möglichkeit, unmittelbar während der Operation im Live-Verfahren virtuelle Bilder der hauchdünnen Netzhaut zu haben und diskrete pathologische Veränderungen zu erkennen, erlaubt eine wesentlich sorgfältigere, schonendere und effizientere Augenchirurgie", erklärt Georgopoulos, Chirurg an der Universitätsklinik für Augenheilkunde und Optometrie der MedUni Wien.

Eine weitere Verbesserung gibt es durch den Einsatz hochmoderner Femtolasertechnologie, wie sie der Universitätsaugenklinik der MedUni Wien schon seit zwei Jahren in Form eines mobilen Geräts mit Niedriglasertechnologie zur Verfügung steht. Das erlaubt hochpräzise Schnittführungen nach einem individuell angepasstem Behandlungsplan: Damit können die Zugangsschnitte im Auge, die Eröffnung der Linsenkapsel und die Zerteilung des getrübten Linseninhaltes bei einer Grauer Star-OP exakt und absolut reproduzierbar ausgeführt werden. Schmidt-Erfurth: "Das trägt dazu bei, dass die unkorrigierte Sehschärfe weiter verbessert und mögliche Nachtrübungen vermieden werden können." Dazu gehört auch die gleichzeitige Korrektur von Hornhautverkrümmungen durch Hornhautentlastungsschnitten mit bisher unerreichbarer Präzision.

MEDICA.de; Quelle: Medizinische Universität Wien

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