Selektive Cyclooxygenase-2 (COX-2)-Hemmer werden seit 1999 als Alternative zu Nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR) vermarktet. Die Debatte um die kardiale Sicherheit der COX-2-Hemmer kulminierte kürzlich, als der Wirkstoff Rofecoxib vom Markt genommen wurde, weil er das kardiale Risiko erhöhen sollte (medica.de berichtete). Noch immer ist nicht geklärt, ob es sich dabei um einen Klasseneffekt handelt.

Wissenschaftler der McGill-Universität in Montreal, Kanada, bereichern die Debatte um die COX-2-Hemmer nun mit neuen Zahlen. Retrospektiv erhoben sie Daten von 113.927 Personen im Alter über 65 Jahre ohne anamnestisch bekannten Myokardinfarkt, die zwischen Januar 1999 und Juni 2002 erstmals mit einem NSAR oder COX-2-Hemmer der folgenden Klassen behandelt worden waren: 1. NSAR außer Naproxen; 2. Naproxen (teilweise selektiv); 3. Celecoxib (COX-2-Hemmer); 4. Rofecoxib (COX-2-Hemmer); 5. Meloxicam (vorwiegend COX-2-selektiv).

Unter Rofecoxib stieg das relative Risiko für einen Myokardinfarkt auf 1.24, bei höheren Dosen gar auf 1.73. Die gleichzeitige Einnahme von Acetylsalicylsäure (ASS) kann die Erhöhung des kardialen Risikos bei geringen Dosen von Rofecoxib konterkarieren, nicht aber bei höheren Dosen. Unter Celecoxib und den anderen untersuchten Wirkstoffen erhöhte sich das relative Myokardinfarkt-Risiko nicht.

Diese Studie hatte einige Schwächen, wie die Studienleiter schreiben: Nicht bei allen Probanden konnten sämtliche Einflussfaktoren erhoben werden, zum Beispiel die Verwendung frei-verkäuflicher Wirkstoffe (etwa ASS). Außerdem war Meloxicam unerwartet selten verordnet worden. Dennoch sind die Studienautoren der Ansicht, dass weitere Wirkstoffe mit hoher COX-2-Selektivität vorerst nur sehr vorsichtig eingesetzt werden sollten.

MEDICA.de; Quelle: Annals of Internal Medicine Early Release, 1. February 2005