Die Chronomedizin ist im Kommen

Die Zeit ist reif für Chronomedizin
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"Grundsätzlich ist festzuhalten, dass wir zwar eine gut etablierte und wissenschaftlich mittlerweile sehr angesehene Chronobiologie haben, die aber noch nicht zur Entwicklung und Etablierung einer Chronomedizin geführt hat. Dieses wird eine vordringliche Aufgabe der 'Uhrenforschung' in den nächsten Jahren sein", sagt Professor Dr. med. Horst-Werner Korf, Direktor des Institutes für Anatomie II am Klinikum der J. W. Goethe-Universität.

Dies bedeute aber auch, dass eine Störung des körpereigenen Rhythmus zu zahlreichen körperlichen Erkrankungen führen kann, aber auch Verhaltensstörungen wie etwa Schlafstörungen, Tagesschläfrigkeit und verminderte Leistungsfähigkeit hervorruft. Klassische Beispiele seien körperliche Beschwerden bei Schichtarbeit, der sogenannte Jet-Lag nach einem Langstreckenflug, die Umstellung von der Sommer- auf die Winterzeit und umgekehrt oder die Winterdepression.

Aktuelle Ergebnisse aus Tierexperimenten liefern den Uhrenforschern Erkenntnisse, die in Zukunft von klinischer Relevanz sein könnten. So vermuten die Wissenschaftler direkte Zusammenhänge zwischen Defekten oder Fehlfunktionen der Uhrengene und dem Auftreten bestimmter Krankheiten und veränderten Stoffwechselabläufen. Beispielsweise konnten sie Fehlregulationen der Uhrengene Per1, Per2, und Per3 in Tumorzellen nachweisen.

Des Weiteren wird der Polymorphismus des Uhrengens Per3 mit einem verfrühten Auftreten von Brustkrebs in Verbindung gebracht. Fehlt dagegen das Uhrengen Clock könnte dies gegebenenfalls zu Fettleibigkeit führen, wohingegen eine Mutation im Per2 Gen möglicherweise nach Spanagel et al., 2005, zu einem vermehrten Alkoholkonsum führt. Schlafstörungen wie das Advanced Sleep Phase Syndrom (ASPS) werden durch eine Mutation im Per2 Gen hervorgerufen (Toh et al., 2001; Xu et al., 2005), das Delayed Sleep Phase Syndrom (DSPS) durch Polymorphismus des Per3 Gens (Robilliard et al., 2002; Lowrey and Takahashi 2004).

MEDICA.de; Quelle: Klinikum der J.W. Goethe-Universität Frankfurt/ Main