Die Frauenquote funktioniert hier nicht

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Gerade in der Gynökologie und
der Geburtshilfe mangelt es an
Frauen in Leitungspositionen;
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Dies geht zumindest aus der Mitgliederstatistik der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) hervor. Nur der Vorstand der DGGG selber hat eine Frauenquote von 40 Prozent. Insgesamt sind 80 Prozent der Mitglieder unter 35 Jahren weiblich. Aber Frauen kommen nicht auf der Leitungsebene an, obwohl inzwischen von etwa 800 Chefarztstellen in der Frauenheilkunde in Deutschland knapp 100 nicht besetzt sind.

„Hier kommen mehrere Entwicklungen zusammen“, erläutert Doktor Babett Ramsauer. „Ärzte, die in ihrer Familie für Kinder Verantwortung tragen, können Stellen mit 50-Stunden-Wochen, ungeplanten Überstunden und langen Wochenenddiensten nicht annehmen. Häufig sind dann nur noch Teilzeitstellen möglich, die mit den Öffnungszeiten von Kindergarten, Schule und Hort vereinbar sind. Dann scheint es nicht mehr denkbar, einen Dienst- und Operationsplan nach solchen Bedürfnissen auszurichten – geschweige denn unter solchen Bedingungen Karriere zu machen.“

Genau dieses Problem sieht auch Professor Klaus Friese, Präsident der Fachgesellschaft. Er stellte in seiner Rede zur Eröffnung des 59. DGGG-Kongresses in München fest: „Der hohe Frauenanteil in unserem Fach heißt auch, neue Arbeitszeitmodelle für die Kliniken zu entwickeln, die ja schon seit Jahren angemahnt werden. Assistentinnen oder Frauenärztinnen müssen in Zeitabschnitten arbeiten können, in denen Schwangerschaft und Kinderbetreuung möglich ist, ohne ihre berufliche Qualifizierung zu gefährden. Warum soll in Zukunft nicht etwa eine Chefarztstelle von zwei Chefärztinnen – oder auch von zwei Chefärzten - in einem Teilzeitprogramm übernommen werden? Mir ist natürlich klar, dass durch solche Arbeitszeitmodelle auch Verluste entstehen können, wie Informationsverlust, Verantwortungsverlust oder Kooperationsmängel. Wenn andererseits diese oder ähnliche Konzepte nicht greifen, wird es in Zukunft - wie schon jetzt absehbar - nicht mehr ausreichende Persönlichkeiten geben, die Führungspositionen übernehmen können.“

Bundesministerin Ursula von der Leyen stellt fest: „Familie und Karriere, das ist ein ‚Sowohl-Als-Auch‘ und kein ‚Entweder-Oder‘. Denn ‚Entweder-Oder‘ würde bedeuten, dass eine Frau auf eines von beiden verzichten müsste, entweder auf die Kinder oder auf die Karriere. Und das können wir uns angesichts der demographischen Entwicklung nicht mehr leisten. Wir brauchen hochqualifizierte Ärztinnen, die nach der Elternzeit wieder engagiert in die Kliniken zurückkommen, und wir brauchen ebenso ihre Kinder.“ Krankenhäuser müssten sich organisatorisch darauf einstellen, geeignete Arbeitsbedingungen für Ärzte zu schaffen, die neben ihrer Kliniktätigkeit familiäre Verpflichtungen haben, sei es in der Sorge für die Kinder oder in der Betreuung pflegebedürftiger Eltern, und sie in dieser Situation wertschätzen und unterstützen.

Umdenken in den Strukturen, diesen Impuls greift Ramsauer auf: „Bei einem Frauenanteil von 80 Prozent auf unseren Stationen, von denen oft die Hälfte schwanger ist oder Kinder hat, können Ganztags-Arbeitsplätze nicht mehr die Regel sein. Wir müssen uns umstellen und eine ganz neue Art von verlässlicher Flexibilität lernen.“

MEDICA.de; Quelle: Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V.