Bild: Ein Bild der Eisernen Hand 
Die Eiserne Hand des Götz von
Berlichingen war zu seiner
Zeit eine Sensation

Dabei hat der Versuch, verlorene Körperteile durch Prothesen zu ersetzen eine lange Tradition.

Medizinhistoriker gehen davon aus, dass die Menschen bereits 2000 vor Christus amputierte Gliedmaßen durch selbstgebaute Körperteile ersetzten. Von den Ägyptern weiß man, dass sie aus ausgehöhlten Baumstämmen Stelzbeine bauten und von den Römern sind Darstellungen bekannt, die Soldaten mit einer künstlichen Hand aus Metall zeigen. Diese Prothesen hatten allerdings eine rein kosmetische Funktion, sie konnten keine aktiven Bewegungen ausführen.

Die bekannteste Prothese des Mittelalters ist die eiserne Hand des Ritters Götz von Berlichingen. Sie wurde 1504 von einem Waffenschmied konstruiert und war für damalige Verhältnisse eine echte Sensation. Sie sah aus wie ein eiserner Handschuh und wurde mit Lederriemen am Unterarmstumpf befestigt. Mit Hilfe von Zahnrädern konnten die Finger gedreht und in einer bestimmten Stellung fixiert werden, so dass der Raubritter sein Schwert halten und seinen Beruf weiter ausüben konnte.

Bis ins 19. Jahrhundert änderte sich kaum etwas an den Armprothesen. 1812 hatte dann der Berliner Zahnarzt und Chirurgietechniker Peter Baliff eine neue Idee: er wollte die noch vorhandene Kraft des amputierten Arms nutzen, um die Prothese zu bewegen. Dazu befestigte er Seilzüge um Ellenbogen und Schulter, die dann die Bewegung ausführten. Durch die Streckung des Ellenbogens konnte der Daumen gestreckt werden und durch eine bestimmte Bewegung des Schultergelenkes wurden die anderen Finger gestreckt. Für den Träger der Prothese bedeutete das allerdings, dass er sich ziemlich verrenken musste, um seine künstliche Hand zu bewegen.

Der Erste Weltkrieg und die vielen Soldaten, die Arme oder Beine verloren hatten, gaben der Entwicklung der Armprothese neue Impulse. Mit der Konstruktion der nach ihm benannten Hand revolutionierte 1916 der Chirurg Dr. Ferdinand Sauerbruch die Armprothetik. Bei der Sauerbruch-Hand wurde durch den Oberarmmuskel ein Hauttunnel gelegt, durch den ein Elfenbeinstift geschoben wurde. Durch Anspannen des Muskels hob sich der Stift und die Hand schloss sich und griff zu. Allerdings handelte es sich um einen sehr schwachen Griff.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden erstmals Elektromotoren benutzt, um die Finger der Hand zu schließen. Seit Ende der 1960er Jahre haben sich myoelektrische Systeme durchgesetzt. Elektroden auf der Haut messen die elektrischen Impulse, die der Armmuskel erzeugt, wenn er angespannt wird. Diese Impulse werden über die Elektronik an die Motoren weitergeleitet und bewegen die Finger. Verglichen mit einer natürlichen Hand sind die Einsatzmöglichkeiten solcher Prothesen allerdings sehr begrenzt. Es bedarf einiger Übung, mit ihnen umgehen zu können und auch dann ermöglichen sie nur sehr grobmotorische Bewegungen. Außerdem sind sie sehr schwer, was häufig zu starken Schmerzen im Oberarm führt. Viele Menschen fühlen sich daher durch ihre Armprothese behindert und rund ein Drittel der Prothesenträger nutzt sie selten oder gar nicht.

Eine Alternative zu den bisherigen Prothesen stellt die Fluidhand dar, die von Wissenschaftlern des Forschungszentrums Karlsruhe entwickelt wurde. Bei dieser künstlichen Hand sind an den Gelenken Kissen angebracht, in die Luft gepumpt wird, so dass sich die Finger bewegen. Der besondere Vorteil der Fluidhand ist ihr geringes Gewicht und ihre Flexibilität.

Ein grundlegendes Problem, mit dem auch Götz von Berlichingen schon zu kämpfen hatte, konnte bisher aber noch nicht gelöst werden: die künstlichen Hände sind gefühllos und druckunempfindlich. Wissenschaftler aus der Schweiz und den USA wollen das ändern. Sie arbeiten an einer fühlenden Handprothese, die über das Gehirn gesteuert wird. Bis daraus eine nutzbare Alternative wird, werden wohl noch einige Jahre vergehen.

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