Die Industrie mischt immer stärker mit

Die Industrie guckt immer öfter
über die Schulter; © Picture Disk

Das zeigt eine griechische Studie, die häufig zitierte medizinische Untersuchungen der Jahre 1994 bis 2003 analysiert. Von den 289 Studien, die am häufigsten zitiert wurden, hatten die meisten mindestens einen Autor, der einer Universität angehörte (76 Prozent) oder zu einem Krankenhaus gehörte (57 Prozent). Diese Prozentsätze blieben über die Jahre hinweg weitgehend konstant. Der Anteil jener Studien, die von der Industrie initiiert oder zumindest mitbetreut wurden, stieg dagegen zwischen 1994 und 2003 deutlich an (p gleich 0.001).

Im Jahre 2001 überstieg der Anteil der industrie-gesponserten Artikel erstmals den Anteil der mit öffentlichen Geldern initiierten Studien. Von den 77 randomisierten Studien, die am häufigsten zitiert wurden, waren 65 in irgendeiner Weise von der Industrie gesponsert. Auch dieser Anteil stieg über die Zeit stark an.

Kommentatoren weisen darauf hin, dass diese Entwicklung gefährlich werden kann. Industrieunternehmen tendieren dazu, nur auf solchen Gebieten forschen zu lassen, auf denen sie wirtschaftliche Interessen haben. Übergreifende Themen des öffentlichen Gesundheitswesens geraten dagegen häufig in den Hintergrund.

Es gibt noch eine weitere Gefahr, auf die der Experte Brendan Delaney hinweist: Bei der Entwicklung von Behandlungsleitlinien sind Wissenschaftler auf große Studien angewiesen. Wenn diese aber meist von der Industrie gesponsert werden, könnte sich eine Schieflage ergeben.

Delaney macht aber auch klar, dass industrie-gesponserte Studien wichtig sind. Studien mit öffentlichen Geldern sollten sich vornehmlich auf Problemfeldern bewegen, die von der Industrie nicht abgedeckt werden: zum Beispiel dem Vergleich neuerer Wirkstoffe mit älteren Medikamenten.

MEDICA.de; Quelle: British Medical Journal 2006, Vol. 332, S. 1061-1064