Über dieses überraschende Ergebnis der Versorgungsforschung berichteten Ludwigshafener Wissenschaftler jetzt beim Jahreskongress der "Deutschen Gesellschaft für Kardiologie" (DGK) in Mannheim. Die Wissenschaftler belegen ihre Ergebnisse am Beispiel der Ballondilatation (PCI) bei akutem Herzinfarkt. Nach Ansicht der Studienleiter zeigen die Ergebnisse ihrer Studie, dass die Bedingungen von randomisierten Studien und der Klinikalltag sehr unterschiedlich sein können. Die Versorgungsforschung kann diese Bedingungen aufzeigen und damit helfen, die Ergebnisse von Studien besser zu interpretieren und die Versorgung im Krankenhaus-Alltag zu verbessern.

Eine Erklärung für den unterschiedlichen Behandlungserfolg in randomisierten Studien und im Klinkalltag ist die "Mitra-Trias". Demnach spielen die Risikoselektion, der Risikoprofit und das „Risikoparadoxon“ eine zentrale Rolle für die Differenzen in Sachen Behandlungserfolg.

Risikoselektion bedeutet, dass sich im Klinikalltag meist mehr Hochrisikopatienten finden als in den Studien. Damit ist die Vergleichbarkeit von Studien und Klinkalltag problematisch. Dazu trägt auch der Risikoprofit bei: Der Nutzen von therapeutischen Maßnahmen ist bei Hochrisikopatienten nämlich deutlich größer als bei Patienten mit geringem Risiko.

Hinzu kommt das Risikoparadoxon: Im Gegensatz zu Studien werden im Klinikalltag paradoxerweise die gesünderen Patienten besser behandelt als die schwer kranken. 90 Prozent der Herzinfarktpatienten mit niedrigem Risiko erhalten eine Ballondilatation oder Lyse, aber nur die Hälfte der Hochrisikopatienten.

MEDICA.de; Quelle: Deutsche Gesellschaft für Kardiologie 72. Jahrestagung in Mannheim