Wie hat der moderne Mensch mit Alkohol umzugehen? Weise Menschen nutzen Alkohol angemessen, mit Respekt und vor allem mäßig. Weniger weise Menschen betrinken sich unmäßig und fügen damit sich selbst, möglicherweise auch anderen Menschen großen schaden zu. So zumindest klingt das Vorwort zur „Alcohol Harm Reduction Strategy for England“ der britischen Regierung, das der frühere Premierminister Tony Blair verabschiedet hat. Britische Wissenschaftler haben jetzt untersucht, ob die Menschen im antiken Griechenland besser mit Alkohol umgehen konnten als wir heutzutage.

Dazu untersuchten die Studienleiter verschiedene klassische griechische Texte und fanden dabei interessante Hinweise darauf, wie die Menschen in der vermeintlichen Blüte der Klassik mit dem Thema Alkohol umgingen:

In dem Stück „Semele“ des griechischen Komikers Eubulus wird der progressive Effekt des Alkoholkonsums deutlich beschrieben: Bei einem Trinkgelage prosten sich die Protagonisten des klassischen Stückes, das etwa im vierten oder fünften Jahrhundert vor Christus entstand, zunächst auf die Göttin „Hygieia“ – die Göttin der Gesundheit – zu. Mit jeder Einheit Wein legen die Figuren des Stückes dann einen Teil ihrer guten Erziehung ab und werden immer ausgelassener. Ausführlich beschreibt Eubulus, wie seine Figuren zuerst eine positive Phase durchmachen, in der sie heiter und witzig sind. Die Stimmung schlägt mit jedem weiteren „Schorle“ allmählich um und die Atmosphäre wird zunächst gereizt, dann aggressiv. Am Ende steigern sich die Protagonisten in eine „Mania“, die Betrunkenen sind nicht mehr Herren ihrer Sinne.

Die Vorstellung, dass man Alkohol positiv gebrauchen, aber auch negativ missbrauchen kann, war also schon im antiken Griechenland verbreitet, schreiben die Studienautoren. Bekannt war wohl auch, dass dies mit der Menge des konsumierten Alkohols zusammen hängt.

MEDICA.de; Quelle: British Medical Journal 2007, Vol. 335, S. 1302-1304