Die eigene Stimme aus dem Computer

Foto: Mann sitzt vor Computer

Der Computer als zweite Stimme
© Pixelio.de

Vor sieben Jahren erkrankte ein Freund des Physikers Dr. Eduardo Mendel an Kehlkopfkrebs. Mendel war überzeugt, dass es heutzutage möglich sein müsse, die Stimme zu retten, indem man sie aufnimmt und anschließend ein Sprechprogramm "füttert".

Der Oldenburger Wissenschaftler entwickelte ein Verfahren, das so funktioniert: Am Anfang steht die Sprachaufnahme bei Patienten, bei denen ein Stimmverlust droht. Mendel: "Es ist äußerst wichtig, dass die Patienten von dieser Möglichkeit früh erfahren, damit ihre Stimme noch gut klingt." Hauptsächlich handelt es sich um Menschen, die an Kehlkopfkrebs oder der neurologischen Krankheit ALS erkrankt sind. Die Patienten müssen eine Wortliste vorlesen, die mehrere tausend Silben und alle Phoneme beinhaltet, was rund drei Stunden dauert.

Sobald der Patient seine digital gespeicherte Stimme benötigt, wird das "Sprachmaterial" von Mendel und seinen Mitarbeitern ins individuelle Sprechprogramm "Meine-eigene-Stimme" integriert und dem Patienten zugeschickt. Diese zweite Phase nimmt 60 bis 70 Arbeitsstunden in Anspruch. Nach der Installation des Programms auf seinem Computer kann dann der von Stimmverlust betroffene Patient Sätze eingeben, die anschließend von seiner "eigenen Stimme" gesprochen werden. Zwar ist die Sprache aus dem Computer nicht völlig identisch mit der "lebendigen" Sprache, da das Programm nicht ganze Satzmelodien nachbilden kann, allerdings ist der Klang natürlich und in seiner Individualität erkennbar.

Inzwischen haben Mendel und seine Mitarbeiter für rund 50 Patienten ein angepasstes Softwareprogramm erstellt. "Wir haben bei weiteren 50 Patienten Sprachaufnahmen gemacht", so Mendel, "aber glücklicherweise benötigen diese Patienten das Programm bislang noch nicht."

MEDICA.de; Quelle: Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg