Die innere Uhr tickt bei jedem Menschen anders

Allzu frühe Morgenstund'
scheint für Schüler ungesund
© Hemera

"Je nach genetischer Konstellation und innerer Tageslänge betten sich Menschen unterschiedlich in den äußeren 24-Stunden-Tag ein, was wir als Chronotyp bezeichnen", so Prof. Till Roenneberg vom Institut für Chronobiologie der Ludwig-Maximilians-Universität in München.

Kinder seien frühe Chronotypen, die sich in der Pubertät und Adoleszenz nach hinten verschieben. Mit etwa 20 Jahren würde ein Maximum des Spätseins erreicht. "Erstaunlich ist, dass sich ein scharfer Kipppunkt der Kinetik bei Frauen im Alter von 19,5 Jahren, bei Männern im Alter von 20,9 Jahren ergibt", sagt Roenneberg. Danach bewege man sich wieder hin zu früheren Zeiten.

Da Männer im Laufe ihrer Entwicklung über einen längeren Zeitraum ihren Chronotyp nach hinten schieben, sind sie als Erwachsene im Durchschnitt spätere Chronotypen als Frauen. Im Mittel sei auch der Chronotyp in ländlichen Regionen früher dran, was sich vielleicht durch die erhöhte Lichtexposition erklären lässt.

Interessant sind die Ergebnisse für die Chronopharmakologie, die untersucht, zu welcher Tageszeit Medikamente mit der geringsten Dosis und somit stark reduzierten Nebenwirkungen verabreicht werden können.

Späte Chronotypen fällt die Anpassung an Nachtarbeit leichter, während starke Frühtypen sich praktisch gar nicht anpassen können. Dies kann zu hohem physiologischen Stress und zu einer dauerhaften Beeinträchtigung der Gesundheit führen, so die Forscher.

Die allseits bekannte Verspätung bei Jugendlichen beim morgendlichen Schulbeginn sei nicht allein auf deren Lebenswandel zurückzuführen. "Unser Schlaf wird unter der Woche von zwei verschiedenen Uhren begrenzt", berichtet Roenneberg. "Der Schlafbeginn wird hauptsächlich von der inneren Uhr, das Ende des Schlafes dagegen vom Wecker bestimmt. Je später der Chronotyp, desto weniger Schlaf bekommen die Menschen."

Im Winter mache ein früher Schulbeginn besonders wenig Sinn. "Nur Licht kann in den Morgenstunden späte innere Uhren nach vorne stellen. Jugendliche vollziehen das Aufwachen und den Schulweg im Winter aber in Dunkelheit."

MEDICA.de; Quelle: Ludwig-Maximilians-Universität München