07.02.2011

Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein

Disease-Management-Programme helfen den Patienten

Gemeinsame Pressemitteilung Nordrheinische Gemeinsame Einrichtung Disease-Management-Programme GbR

Mehr als 700.000 chronisch kranke Patienten in der Region Nordrhein nehmen an einem sogenannten Disease-Management-Programm (DMP) teil. Gut für sie. Denn die Versorgungsqualität wird immer besser. Das zeigt der aktuelle DMP-Qualitätssicherungsbericht, der auf rund 13 Millionen Behandlungsdaten aus den Jahren 2003 bis 2009 basiert.

Bei chronisch Kranken, die in Nordrhein an einem DMP teilnehmen, treten deutlich weniger Komplikationen als erwartet auf und schwere Krankheitsverläufe werden häufig vermieden. „Die Qualität der Versorgung steigt bei jeder der sechs chronischen Erkrankungen für die es ein DMP gibt“, sagt Doktor Peter Potthoff, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein.

„Die Patienten profitieren nicht nur gesundheitlich von den DMP, sie sind auch zufriedener mit ihrer individuellen ärztlichen Betreuung“, betont Cornelia Prüfer-Storcks, stellvertretende Vorstandsvorsitzende der AOK Rheinland/Hamburg. Den Patienten steht eine große Auswahl an Praxen zur Verfügung, die an den DMP teilnehmen. „Rund 80 Prozent aller Hausärztinnen und Hausärzte in Nordrhein sind mindestens an einem der DMP beteiligt“, sagt Doktor Lutz Altenhofen, der das DMP-Projektbüro des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung in Köln leitet.

Beispiel Koronare Herzkrankheit: In das Programm zur Koronaren Herzkrankheit (KHK) sind 204.000 Patienten eingeschrieben. Sie sind im Schnitt 71 Jahre alt und bereits seit neun Jahren an einer KHK erkrankt. Etwa ein Drittel der KHK-Patienten sind Frauen.

Wichtig bei der Behandlung ist die richtige medikamentöse Therapie. Dafür haben die Vertragspartner, die KV Nordrhein und die Krankenkassen im Rheinland, Zielquoten vorgegeben. Mit Erfolg. Ein Beispiel hierfür ist die Verschreibung von Statinen: Fast drei Viertel aller KHK-Patienten, die den Wirkstoff vertragen, erhalten diesen Wirkstoff. Statine vermindern bei KHK-Patienten vor allem das Risiko von Komplikationen der Atherosklerose wie Schlaganfall.

Inzwischen sind deutliche Verbesserungen des Gesundheits-zustandes der Patienten belegt. So sinken die systolischen Blutdruckwerte vor allem bei Patienten, die zuvor einen Herzinfarkt oder Schlaganfall hatten, auf leitliniennahe Zielwerte.

Bei der Analyse der Daten zeigen sich deutliche Geschlechtsunterschiede: Weibliche Patienten erkranken offenbar erst später an einer KHK. Die in das DMP eingeschriebenen Patientinnen sind im Schnitt vier Jahre älter als die männlichen Betroffenen. Außerdem treten bei den Frauen in allen Altersgruppen weniger stationäre Notfallbehandlungen und Koronarinterventionen auf als bei den Männern.

In Nordrhein gibt es neben dem Behandlungsprogramm KHK fünf weitere DMP. Und zwar für Brustkrebs, Diabetes mellitus Typ 2 und Typ 1, Asthma bronchiale und chronisch obstruktive Atem-wegserkrankung. Die Grundpfeiler aller DMP stützen sich auf:
• die verbesserte Kompetenz der chronisch erkrankten Patienten hinsichtlich ihres Umgangs mit der Erkrankung durch das Angebot von Patientenschulungen
• regelmäßiges Prüfen der Befunde durch den Hausarzt
• intensive Kooperation zwischen Hausärzten und Spezialisten wie diabetologischen Schwerpunktpraxen, Kardiologen und Pulmologen
• stärkere Orientierung der medikamentösen Therapie an ärztlichen Leitlinien
• kontinuierliche Dokumentation der medizinischen Befunde mit regelmäßiger Analyse und Rückkopplung an die beteiligten Ärzte

Der DMP-Qualitätssicherungsbericht stellt die Ergebnisse strukturierter Behandlungsprogramme für chronisch Kranke aus der Region Nordrhein vor, die mit mehr als acht Millionen gesetzlich Krankenversicherten zu den größten medizinischen Versorgungsgebieten Deutschlands zählt. Er erscheint jährlich und gewährt einen umfassenden Einblick in die Umsetzung der strukturierten Versorgungskonzepte und ihre medizinischen Auswirkungen. Das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung erstellt den Bericht im Auftrag der Gemeinsamen Einrichtung für die DMP in Nordrhein.

Daten zu den DMP im Überblick

Asthma bronchiale: An diesem Chronikerprogramm können Patienten bereits ab dem fünften Lebensjahr teilnehmen; entsprechend sind rund ein Fünftel der 77.000 eingeschriebenen Asthma-Patienten Kinder oder Jugendliche. Stationäre Notfallbehandlungen waren sehr selten: Nur bei 1,7 Prozent der Patienten traten sie in den vergangenen sechs Monaten des Berichtszeitraums auf. Erfreulich hoch ist der Anteil der Patienten, deren Inhalationstechnik die teilnehmenden Ärzte überprüft haben (73,7 Prozent) oder die über einen Selbstmanagementplan (67,3 Prozent) verfügen.

Brustkrebs: Bei über der Hälfte aller Patientinnen wird die Erkrankung in einem frühen Erkrankungsstadium entdeckt. Dadurch steigt die Überlebensprognose. Fast vier Fünftel der Patientinnen mit geringer Tumorausdehnung (pT1) im DMP-Brustkrebs konnten brusterhaltend operiert werden.

Chronisch obstruktive Atemwegserkrankung (COPD): Mit rund 80.000 Teilnehmern sind bereits viele betroffene Patienten in dieses Programm eingeschrieben. Die bisherige Entwicklung der Teilnahmezahlen und der Erreichungsgrad von knapp einem Drittel aller potenziell teilnahmeberechtigten COPD-Patienten lässt jedoch ein weiteres Wachstum der Teilnehmerzahlen in den nächsten Jahren erwarten. Nur jeder zehnte Patient hatte mehr als zwei Exazerbationen in den letzten sechs Monaten des Berichtszeitraums und bei mehr als zwei Dritteln aller COPD-Patienten wurde die Inhalationstechnik regelmäßig überprüft.

Diabetes mellitus Typ 2: Mit vier von fünf Typ 2-Diabetikern erreicht das DMP fast alle Patienten, die sich aktiv und regelmäßig an einer strukturierten Versorgung beteiligen können. In das DMP sind gut 423.000 Typ 2-Diabetiker eingeschrieben. Die Qualitätsziele wie die Einstellung des HbA1c-Wertes auf einen Wert von 8,5 Prozent und weniger sowie die jährliche augenärztliche Untersuchung des Augenhintergrunds werden in hohem Ausmaß erreicht oder gar übertroffen. Diabetikern mit langer DMP-Teilnahmedauer gelingt es, über die Jahre die Stoffwechseleinstellung und den Blutdruck auf ein leitliniengerechtes Niveau zu senken. Dazu trägt die intensive Kooperation von Haus- und Fachärzten entscheidend bei.

Diabetes mellitus Typ 1: Knapp zwei Drittel aller Typ 1-Diabetiker nehmen an dem DMP teil. Von 14 vorgegebenen Qualitätszielen, die sich auf die Blutzuckerstoffwechsel- und Blutdruckeinstellung sowie auf die diagnostische Aufmerksamkeit und die Schulung der Patienten beziehen, werden neun erreicht.

Koronare Herzkrankheit: Das DMP setzt vor allem auf eine leitliniengerechte medikamentöse Therapie und auf die Verbesserung der ärztlichen Kooperation. Gegenüber 2008 werden vor allem mehr Patienten bei entsprechenden Indikationen fachärztlich überwiesen. Hervorzuheben ist schließlich, dass es ärztlicherseits zunehmend gelingt, in Hochrisikogruppen den systolischen Blutdruck der Patienten weiterhin zu senken.

Weitere Ergebnisse im Überblick und den kompletten DMP-Qualitätssicherungsbericht 2010 finden Sie im Internet unter www.kvno.de

Ansprechpartner/Innen Nordrheinische Gemeinsame Einrichtung Disease-Management-Programme GbR

Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein
Frank Naundorf
Telefon: 0211/5970-8108

AOK Rheinland/Hamburg
Dr. Sabine Schlingmann
Telefon: 0211/ 8791 1047

Verband der Ersatzkassen e.V., Landesvertretung NRW
Dirk Ruiss
Telefon: 0211/ 384 1015

BKK-Landesverband NORDWEST
Karin Hendrysiak
Telefon: 0201/ 179-1511

Knappschaft
Susanne Heinrich
Telefon: 0234/ 30482-100

Vereinigte IKK
Sylvia Strothotte
Telefon: 0211/23979-111

Landwirtschaftliche
Krankenkasse NRW
Frank Krenz
Telefon: 0251/2320-472