Befinde ich mich in einer bekannten Umgebung oder ist alles neu für mich und muss erforscht werden? In Bruchteilen von Sekunden "weiß" das menschliche Gehirn, ob zum Beispiel ein Ort bekannt ist oder nicht. Ist er es nicht, prägen wir uns bewusst eine räumliche Konstellation ein, etwa anhand markanter Punkte wie Restaurants, Einkaufsläden oder einem Park. Für diese Informationen entsteht quasi ein neues, vorübergehendes Gedächtnis im Gehirn zwischen Kurzzeit- und Langzeitgedächtnis – das autobiographische Gedächtnis genannt. Zuständig für die Einprägung dieses "bewussten" Gedächtnisses ist der Hippokampus.

Damit eine neue Information in den Hippokampus gelangen und dort gespeichert werden kann, ändert sich vorübergehend die Fähigkeit von Synapsen, neuronale Informationen weiterzuleiten, das nennt man synaptische Plastizität. Prof. Dr. Denise Manahan-Vaughan von der International Graduate School of Neuroscience der RUB (IGSN) zeigte in einer früheren Arbeit, dass eine bestimmte Form der synaptischen Plastizität - die Langzeit-Depression - entscheidend daran beteiligt ist, dass wir uns eine neue räumliche Konfiguration einprägen können.

Für die Kommunikation benötigen die Synapsen einen Neurotransmitter. Der Bochumer Doktorand Neal Lemon hat nun herausgefunden, dass der Botenstoff Dopamin die synaptische Plastizität während des Lernens im Hippokampus in Gang setzt: Bestimmte, dopaminhaltige Rezeptoren (D1/D5) verstärken oder vermindern die synaptische Übertragung im Hippokampus. Sehr wahrscheinlich, so vermuten die RUB-Forscher, wird ein "Neuigkeitssignal" im Gehirn in das ventrale Tegmentum geschickt, wo sich die Zellkerne der dopaminhaltigen Neuronen befinden. Die Zellen werden dadurch aktiviert und setzen unter anderem auch im Hippokampus Dopamin frei, was die synaptische Plastizität und das Lernen verstärkt.

MEDICA.de; Quelle: Ruhr-Universität Bochum