Doppeltes Spiel am Infektionsherd

Immun- und Fresszellen spielen im menschlichen Körper eine wichtige Rolle bei der Erkennung und Abwehr von Krankheitserregern. Eine Unterart dieser Zellen, so genannte "dendritische Zellen", fungiert dabei als eine Art Späher, die permanent durch den Körper zirkulieren, Erreger erkennen und diese dann anderen Immunzellen melden.

Ein Forscherteam um Professor Joachim L. Schultze vom Life and Medical Sciences (LIMES)-Institut der Universität Bonn befasste sich mit entzündlichen Reaktionen, die beim Befall mit Bakterien wie dem Tuberkulose-Erreger Mycobacterium tuberculosis oder dem Erreger der Listeriose im Körper ablaufen. Diese Entzündungen sind durch kleine knotige Zellansammlungen (so genannte "Granulome") gekennzeichnet, die Entzündungsherde regelrecht abkapseln. Die Forscher beobachteten, dass die Abwehrzellen nach entsprechender Infektion eine Reihe von Molekülen bilden, die das Immunsystem "bremsen". Solche Stoffe verhindern im gesunden Organismus die Entstehung von Autoimmunkrankheiten.

Die Forscher erkannten schließlich, dass die untersuchten Immunzellen bei lebensgefährlichen Infektionen wie Tuberkulose eine wichtige Doppelrolle spielen. Zwar verstärken sie zum einen die Immunabwehr in den befallenen Zellen, indem sie eingedrungene Bakterien effizient abtöten. Andererseits verhindern sie aber auch den Abbau der Granulome - ein lebenswichtiger Vorgang, denn so können sich die Krankheitserreger nicht weiter ausbreiten.

Die Wissenschaftler wollen nun ergründen, nach welchen Mechanismen das doppelte Spiel am Infektionsherd abläuft. Sie erhoffen sich neue Erkenntnisse darüber, wie gesunde Zellen gezielt vor Infektionen mit den heimtückischen Krankheitserregern geschützt werden könnten.

MEDICA.de; Quelle: Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn