Doxycyclin hilft gegen Tropenkrankheit

Patient mit Elefantiasis im leichten
Stadium; © AG Prof. Hörauf

"Die heute eingesetzten Medikamente töten zwar die Mikrofilarien, lassen jedoch die erwachsenen Würmer größtenteils ungeschoren", erklärt der Bonner Parasitologe Professor Dr. Achim Hörauf. "Wegen der langen Lebensdauer der Wuchereria-Würmer dauert die Behandlung daher mehrere Jahre, in denen die Symptome fortbestehen."

Der Fadenwurm selbst hat allerdings einen Untermieter, und der könnte sich als seine Achillesferse entpuppen: In jedem Wuchereria-Wurm leben nämlich bestimmte Bakterien, die der Schmarotzer zum Überleben unbedingt benötigt. Sterben diese Bakterien, stirbt früher oder später auch der Parasit. "Daher ist Wuchereria angreifbar für Antibiotika, die normalerweise gegen bakterielle Infektionen eingesetzt werden", betont Hörauf. Ein Beispiel ist Doxycyclin, das schon seit Jahrzehnten gegen Infektionen der Atemwege oder des Magen-Darm-Trakts eingesetzt wird.

In ihrer Studie haben die Mediziner in Tansania insgesamt 72 männliche Betroffene für acht Wochen mit Doxycyclin oder einem Placebo behandelt. Anfangs wimmelte es im Blut der Versuchsteilnehmer von Mikrofilarien: Bis zu 1.300 Tiere pro Milliliter Blut zählten die Experten. Acht Monate nach der Behandlung waren sie fast völlig verschwunden; nur bei einem Kranken ließen sich noch einzelne Mikrofilarien nachweisen. Allerdings ging auch in der Placebo-Gruppe die Mikrofilarien-Belastung zurück - ein Effekt, der wahrscheinlich auf die bessere Betreuung der Patienten zurückzuführen war.

Anders als bislang eingesetzte Medikamente tötete das Antibiotikum aber auch die ausgewachsenen Würmer. 14 Monate nach der Doxycylin-Kur konnten die Ärzte im Ultraschall-Bild lediglich bei jedem fünften Patienten noch die typischen Wurmbewegungen, den sogenannten Filarien-Tanz, nachweisen. In der Placebo-Gruppe lag diese Quote bei 89 Prozent. Auch Konzentration bestimmter Wurm-Proteine im Blut ging in der Doxycyclin-Gruppe um mehr als die Hälfte zurück.

MEDICA.de; Quelle: Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn