Gliome sind die häufigsten bösartigen Tumoren des zentralen Nervensystems bei Erwachsenen. Ihre Prognose ist schlecht. Die Ätiologie der Gliome ist noch weitgehend unbekannt. In letzter Zeit wurde daher wiederholt die Frage gestellt, ob der Gebrauch von Mobiltelefonen mit ihrer Strahlung die Entstehung von Gliomen und anderen Hirntumoren begünstigen könnte. Näheres sollte jetzt in einer großen Fall-Kontroll-Studie herausgefunden werden.

966 britische Patienten im Alter zwischen 18 und 69 Jahren nahmen daran teil. Bei allen war zwischen Dezember 2000 und Februar 2004 erstmals ein Gliom diagnostiziert worden. 1.716 andere gesunde Personen wurden randomisiert ausgewählt und in die Kontrollgruppe aufgenommen. Alle Probanden machten sehr genaue Angaben darüber, seit wann und wie oft sie Mobiltelefone benutzen.

Ein Abgleich der Daten zeigte: Wer regelmäßig mobil telefoniert, hat ein relatives Risiko von 0.94, an einem Gliom zu erkranken. Dies ist statistisch aber nicht signifikant. Auch die Häufigkeit der Anrufe und die Jahre seitdem man mobil telefoniert, haben offenbar keinen Einfluss auf die Entstehung eines Glioms. Allerdings ergaben sich bemerkenswerte Unterschiede bei der Seitenentstehung von Gliomen: Auf jener Kopfseite, die man häufiger beim Telefonieren nutzt, ist das Risiko um rund 24 Prozent erhöht, dagegen auf der kontralateralen Seite um 25 Prozent niedriger. Dies gleicht sich statistisch weitgehend aus.

Die Studienleiter schließen aus ihrer Untersuchung, dass Mobiltelefone keinen Einfluss auf das Risiko eines Glioms haben. Dass das Risiko auf beiden Kopfseiten ungleich verteilt sein soll, ist nach Ihrer Ansicht am ehesten einem Erinnerungs-Bias geschuldet: Da die meisten Menschen sowohl mit dem linken als auch rechten Ohr telefonieren, gaben die Patienten wohl unbewusst jene Kopfseite als präferierte „Hörseite“ an, in der der Tumor saß.

MEDICA.de; Quelle: British Medical Journal 2006, Vol. 332, S. 883-887