Drei Millionen Euro für Forschung an Lungenentzündung

Lungenentzündungen werden meist verursacht durch eine Infektion mit Bakterien der Art "Streptococcus pneumoniae", Pneumokokken. Die Bekämpfung wird immer schwieriger, denn Resistenzen von Krankheitserreger gegen Antibiotika sind ein ernst zu nehmendes Problem. Die Bakterien haben gelernt, sich den Antibiotika anzupassen. Besonders gefährlich sind multiresistente Bakterienstämme. Gegen sie helfen eine Reihe von Antibiotika nicht mehr. "In Frankreich und Spanien ist beinahe die Hälfte der Pneumokokken-Stämme gegen mindestens ein Antibiotikum resistent", sagt Singh Chhatwal, Leiter der Abteilung "Mikrobielle Pathogenität" am HZI.

Impfstoffe bieten zwar den Vorteil, dass sich keine Resistenzen gegen sie entwickeln. Der entscheidende Nachteil der zwei vorhandenden Pneumokokken-Impfstoffe ist jedoch, dass sie nicht alle der mehr als 90 Unterarten, sogenannte Serotypen, von Pneumokokken abdecken. Der Impfstoff wirke zwar erfolgreich gegen sieben Serotypen. Weil sich deren Verbreitung aber durch die Impfung reduziere, kommen bisher wenig verbreiteten Pneumokokken-Serotypen häufiger vor, sagt Chhatwal. Hinzukommt, dass zum Beispiel in Deutschland und den USA andere Serotypen häufiger vorkommen als in Indien. Dies erschwere eine Behandlung und Vorbeugung zusätzlich.

Die Arbeit des Konsortiums ist unterteilt: Zuerst schauen die Wissenschaftler, welche Pneumokokken-Serotypen weltweit von Bedeutung sind. Anschließend untersuchen sie, wie die Erreger das menschliche Immunsystem überwinden und zu einer Lungenentzündung führen. Mit diesem Wissen wollen die Forscher neue Therapien, Medikamente und Impfstoffe entwickeln. Die Koordination des Projekts hat die Abteilung "Mikrobielle Pathogenität" des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI) in Braunschweig.

MEDICA.de; Quelle: Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung