Gibt man einen weiteren NRTI dazu, hebt das die Effektivität kaum, wie jetzt auf der XVI International AIDS Conference bekannt wurde. Das zeigt eine randomisierte doppel-blinde und placebokontrollierte Studie, die im März 2001 begann und bis März 2005 andauerte. 765 Patienten mit HIV nahmen daran teil. Randomisiert erhielten sie entweder die Kombination aus Zidovudin/Lamivudin und Efavirenz oder die Viererkombination mit Zidovudin/Lamivudin/Abacavir und Efavirenz.

Nach einem durchschnittlich dreijährigen Nachbeobachtungszeitraum kam es bei 99 Patienten (26 Prozent) unter der Dreierkombination sowie bei 94 Patienten (25 Prozent) zum virologischen Versagen (p gleich 0.73). Als virologisches Versagen definierten die Studienleiter einen HIV-1-RNA-Spiegel von mindestens 200 Kopien/ml in zwei aufeinander folgenden Messungen. Der Anstieg der CD4+-Zellen war in beiden Gruppen vergleichbar.

Drei Jahre nach Studienbeginn konnten sich 90 Prozent der Patienten unter der Dreierkombination und 92 Prozent unter der Viererkombination über weniger als 200 Kopien/ml freuen (p gleich 0.59). 85 Prozent beziehungsweise 88 Prozent hatten sogar weniger als 50 Kopien/ml (p gleich 0.39).

Interessanterweise waren vor allem Afro-Amerikaner vom virologischen Versagen betroffen, obwohl sie natürlich die gleichen Wirkstoffkombinationen erhielten wie Weiße. Für diese Unterschiede haben die Studienleiter bislang keine Erklärung.

Zur Zeit werden weitere mögliche Kombinationen von Wirkstoffgruppen gegen HIV untersucht. Einige der Medikamente zeigen nämlich Wechselwirkungen mit Antituberkulose-Wirkstoffen. Manche Experten halten es daher für möglich, HIV-Infizierte, die auch an Tuberkulose erkrankt sind, mit einer Viererkombination aus NRTIs zu behandeln.

MEDICA.de; Quelle: XVI International AIDS Conference 2006