Bild: Geldscheine in einer Hand 
Ohne Strafe fällt manchen
Menschen das faire Handeln
schwer; © Hemera

Forscher untersuchten, was sich im Gehirn der Menschen abspielt, wenn sie eine soziale Norm verletzen können, aber darauf gefasst sein müssen, dafür bestraft zu werden. Die Untersuchung liefert etwa Hinweise für neurobiologische Ursachen antisozialer Persönlichkeitsstörungen.

Untersucht wurde in dieser Studie die Bereitschaft, eine Fairnessnorm einzuhalten. Konkret ging es um die faire Aufteilung von 100 Geldeinheiten zwischen zwei Teilnehmern. Die Fairness verlangt hier, dass beide Personen etwa gleich viel erhalten. In manchen Situationen konnte Person A den Geldbetrag aufteilen, ohne dass damit eine Strafe für unfaires Aufteilen verbunden war. In anderen Situationen musste Person A davon ausgehen, einen finanziellen Abzug im Falle unfairen Verhaltens zu bekommen.

Droht der aufteilenden Person für unfaires Verhalten eine Strafe, wurden bei ihm Aktivierungen im Frontalhirn (lateraler orbitofrontaler Kortex) festgestellt. Ähnliche Aktivierungen wurden auch in anderen Studien zur Verarbeitung von Strafen gefunden. Außerdem wurde jene Hirnregion während der Strafandrohung aktiver, die wahrscheinlich auch daran beteiligt ist, egoistische Impulse zu unterdrücken (rechter dorsolateraler präfrontaler Kortex). Am aktivsten wurden diese Hirnregionen bei jenen Personen, die sich ohne Strafandrohung besonders unfair verhielten, sich bei einer Strafandrohung aber eines Besseren besonnen haben.

Der Zürcher Wirtschaftwissenschaftler Ernst Fehr erklärt: "Menschen, die vor allem wegen der Strafandrohung die Fairnessnorm einhalten, müssen vermutlich ihre egoistischen Impulse stärker unterdrücken, was dann diese Region des Frontalhirns stärker aktiviert." Bei vielen Formen pathologischen Sozialverhaltens sind die in der Studie besonders aktiven Hirnregionen weniger stark entwickelt oder geschädigt. Auch weiß man, dass sich diese frontalen Hirnregionen erst in der Adoleszenz voll entwickeln. Dies könnte erklären, weshalb Jugendliche sich durch drohende Strafen oft erstaunlich wenig abschrecken lassen.

MEDICA.de; Quelle: Universität Zürich