Duell im Labor

Foto: Konzentrierter Mann beim Laborversuch

Die Reaktion auf eine Handlung
erfolgt schneller als auf Eigenini-
tiative; © MPI für biol. Kybernetik

Im täglichen Leben bewegen wir uns, weil wir uns dazu entschließen oder weil wir durch unsere Umgebung oder die Entscheidungen anderer dazu veranlasst werden. "Wir wollten wissen, ob es Beweise dafür gibt, dass Reaktionen schneller sind als die gleichen Bewegungen, die aus Eigeninitiative entstehen", sagte Andrew Welchman, Erstautor der Studie und Wissenschaftler an der Universität Birmingham.

Dazu forderte er jeweils zwei Versuchsteilnehmer zu einem Wettstreit auf: Sie sollten Tasten auf einer Schaltfläche schneller als ihr Konkurrent drücken. Es gab kein Startsignal, also mussten die Probanden entweder auf eigene Initiative handeln oder schneller reagieren als ihr Gegner - genau wie in den Legenden der Revolverhelden.

Das Ergebnis bestätigte die Erwartungen: Die Teilnehmer, die auf die Handlung eines anderen reagierten, waren im Durchschnitt 21 Millisekunden schneller als jene, die diese initiierten. Allerdings passierten bei den Reaktionen mehr Fehler als bei den Aktionen. Doch diese Strategie könnte nützlich sein, vermutet Welchman: "Der Bruchteil einer Sekunde könnte den Unterschied zwischen Leben und Tod bedeuten, wenn wir beispielsweise einem Bus ausweichen müssen." Existieren also zwei unterschiedliche Prozesse in unserem Gehirn für zwei verschiedene Arten von Handlungen?

Möglicherweise könnten Parkinsonpatienten diese Frage beantworten. So ist beispielsweise bekannt, dass sie besser reagieren können, als vorsätzliche Bewegungen auszuführen. Einen Ball vom Tisch zu nehmen, fällt ihnen schwerer, als denselben Ball spontan zu fangen. "Dies könnte der Beweis dafür sein, dass die Bereiche im Gehirn, welche durch Parkinson betroffen sind, mehr für bewusste Handlungen als für Reaktionen verantwortlich sind", sagte Heinrich Bülthoff, Direktor am Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik in Tübingen.

Sollte dies tatsächlich der Fall sein, besteht eventuell die Möglichkeit Strategien zu entwickeln, um die Bewegungsfähigkeit dieser Patienten zu verbessern.

MEDICA.de; Quelle: Max-Planck-Gesellschaft