Durchbruch bei Herzklappenimplantation

Foto: Bild von der Herzklappe am Herzen

Über einen Leistenkatheter platzier-
ten Professor Raffi Bekeredjian und
sein Team die künstliche Klappe
zwischen linkem Vorhof und linker
Herzkammer;
© Universitätsklinikum Heidelberg

Die Klappe liegt im Innern des Herzens zwischen linker Vor- und Hauptkammer und ist mit einem Katheter nur auf Umwegen und mit sehr viel Geschick zu erreichen. Weltweit ist dies die zweite erfolgreiche Klappenimplantation dieser Art.

„Bisher war für die Implantation einer Klappenprothese an dieser Stelle eine Operation am offenen Herzen oder ein minimal-invasiver Eingriff mit Schnitten in Brustkorb und Herzspitze nötig“, erklärt Professor Raffi Bekeredjian, Oberarzt der Abteilung Kardiologie, Angiologie und Pulmonologie, der den Eingriff durchführte. Für die schwerkranke Patientin kam beides nicht in Frage: Wegen ihres hohen Alters und weiteren Erkrankungen wäre jede Operation am Herzen zu riskant gewesen.

Am 22. Juli 2011 nahm Bekeredjian mit seinem Team den technisch sehr komplizierten Eingriff vor, der große Erfahrung in der Klappenimplantation per Katheter voraussetzt: Über einen kleinen Zugang in der Leistenvene schob er die auf einen Katheter montierte Klappenprothese zunächst in den rechten Herzvorhof, durchstach die Scheidewand zwischen rechtem und linkem Vorhof und platzierte sie dann in der älteren, defekten Mitralklappenprothese (Valve-in-Valve Implantation) am Eingang zur linken Herzkammer.

Diese Art der Klappenimplantation ist nur dann möglich, wenn an dieser Stelle schon einmal eine Prothese eingesetzt wurde: Der stabile Drahtrahmen der älteren Klappe gibt auch der neuen im weichen Muskel- und Bindegewebe innerhalb des Herzens sicheren Halt. Zum Einsatz kam eine Klappenprothese, die eigentlich als Ersatz für defekte Aortenklappen konzipiert ist (Edwards Klappe), aber auch an dieser Position gute Dienste tut. Eine spezielle Mitralklappe, die per Leistenkatheder implantiert werden kann, gibt es noch nicht.

Nach dem geglückten Eingriff reichte ein Druckverband aus, um das einen Zentimeter durchmessende Loch in der Leistenvene zu verschließen. Die Öffnung in der Vorhofscheidewand zog sich von selbst wieder zusammen. Bereits nach zwei Tagen hatte sich die Patientin soweit erholt, dass sie von der Intensivstation auf normale Station verlegt werden konnte.

MEDICA.de; Quelle: Universitätsklinikum Heidelberg