Duschen erlaubt

Katzenwäsche adé - Patienten
brauchen Wasser nicht zu scheuen
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Jeder, der sich schon einmal eine Wunde nähen lassen musste, kennt die Aufforderung des Arztes: Geschlossen und trocken halten! In der Tat sagen alle Leitlinien zu primär versorgten Wunden, dass diese Wunden 24 bis 48 Stunden lang bedeckt und trocken gehalten werden sollten. Das heißt auch: Kein Duschen, kein Baden.

In manchen Gegenden ist das kaum durchzuhalten. In North Queensland, Australien, zum Beispiel wird es oft so heiß und feucht, dass Wunden kaum trocken gehalten werden können. Für Patienten ist dies oft eine Quälerei.

Erstaunlicherweise liegen der Aufforderung zum Trockenhalten kaum evidenzbasierte Daten zugrunde. Einige Studien weisen sogar darauf hin, dass es Wundnähten nicht schadet, wenn sie nass werden. Die Infektionsrate erhöhte sich dadurch jedenfalls nicht. Eine prospektive, randomisierte und kontrollierte Studie sollte das nun genauer untersuchen.

857 Patienten aus verschiedenen ärztlichen Primärpraxen in Queensland in Australien nahmen an dieser Untersuchung teil. Alle Patienten hatten sich einer kleineren Hautexzision unterziehen müssen und waren danach gemäß der Leitlinien genäht und versorgt worden. Randomisiert hielten sich die Patienten (442) innerhalb der ersten 48 Stunden nach der Exzision an die Leitlinien und hielten die Wunde trocken und bedeckt. Oder aber man erlaubte ihnen, den Verband abzunehmen (415) und die Wunde beziehungsweise Nähte nass werden zu lassen.

In der „normalen“ Gruppe infizierten sich 8,9 Prozent der Wunden, obwohl sie trocken und bedeckt gehalten wurden. Erlaubte man den Patienten, ihre Wunde feucht werden zu lassen, infizierten sich 8,4 Prozent der Wunden. Offenbar ist die ärztliche Anweisung „aufzupassen“ mit den Wundnähten also reichlich überflüssig.

MEDICA.de; Quelle: British Medical Journal 2006, Vol. 332, S. 1053-1056