EPIWORK: Ausgefeilte Ebolavorhersage mit Modell "made in EU"

03.12.2014
Foto: Ebolaerreger

Das Prognosemodell GLEaM hilft politischen Entscheidungsträgern bei der Visualisierung der möglichen Verbreitung eines Krankheitsausbruchs – in diesem Fall bei Ebola; © panthermedia.net/ Thibault Duchier

Zur Vorhersage der Ausbreitung von Ebola verwenden Prognostiker eines der durchdachtesten Modellierungssysteme der Welt, welches Ergebnis eines EU-Forschungsprojekts ist.

Ein in der EU entworfenes Prognosemodell hat gezeigt, dass bis Ende November 2014 in Westafrika 14 000 bis 22 000 Menschen (Anzahl der gemeldeten Fälle) mit Ebola infiziert sein werden. Das Global Epidemic and Mobility Model (GLEaM), ein globales Epidemie- und Mobilitätsmodell, gehört zu den detailliertesten und umfassendsten Modellen weltweit. Es wurde vom EU-Forschungsprojekt EPIWORK entwickelt, das 2013 endete.

GLEaM produziert realistische Simulationen der globalen Verbreitung von Infektionskrankheiten, indem reale Daten über Bevölkerungen und die Mobilität der Menschen mit verfeinerten stochastischen Modellen zur Krankheitsübertragung kombiniert werden. GLEaM stützt sich auf Datenströme, die bisher noch nicht in Gesundheitsprognosen berücksichtigt wurden, wie etwa den täglichen Flugpassagierverkehr, Volkszählungen, Krankenhauseinweisungen und medizinische Dienste, Teilnahme an Beerdigungen oder auch Informationen, die über Mobiltelefone eingereicht werden.

Dieses Produkt der EU-Forschungsexzellenz steht jetzt den Labors rund um den Globus zur Verfügung und unterstützt diese bei der Prognose der Verbreitung weltweit auftretender Krankheiten wie Ebola.

Prof. Vespignani, ehemaliger Projektleiter von EPIWORK, leitet jetzt das Labor für die Modellierung biologischer sozio-technischer Systeme (Laboratory for the Modeling of Biological Socio-Technical Systems, MOBS LAB) an der Northeastern University in Boston in den Vereinigten Staaten. "Wir haben im Juli dieses Jahres, als die Krankheit in Westafrika zunehmend exponentielles Wachstum zeigte, damit begonnen, das Modell für Ebola zu nutzen. Wir befassen uns auch mit der Möglichkeit einer weltweiten Verbreitung von Ebola. Im Fall von Ebola lagen die Prognosen der gemeldeten Fälle genau innerhalb der vom Modell berechneten Wahrscheinlichkeit", sagte er.

Das Modell wurde im Verlauf des EPIWORK-Projekts entwickelt. Dazu gehörte die Erfassung epidemiologischer Daten während des Ausbruchs der H1N1-Grippe im Jahr 2009, gemeinhin als "Schweinegrippe" bekannt, sowie deren Bereitstellung für die EU-weite Forschungsgemeinschaft.

Daniela Paolotti , Epidemiologin an der ISI-Stiftung (Institute for Scientific Interchange) in Italien, die EPIWORK koordinierte, fügte hinzu: "GLEaM konzentrierte sich 2009 auf die H1N1-Grippepandemie, jedoch bestand immer die Absicht, es auf andere Infektionskrankheiten auszuweiten. Die Idee war, einen Rahmen zu erstellen, der für neu aufkommende Krankheiten genutzt werden könnte, und das Ergebnis war, dass man dieses Modell auch an Ebola anpassen konnte."

Die Simulationen helfen politischen Entscheidungsträgern bei der Visualisierung der möglichen Verbreitung eines Krankheitsausbruchs. Damit können sie öffentlichen Gesundheitsmaßnahmen, die diese eindämmen sollen, Priorität einräumen.

EPIWORK lief vom 1. Februar 2009 bis zum 31. Juli 2013 und umfasste 12 Teams in acht Ländern. Es erhielt 4,85 Mio. EUR aus dem 7. Rahmenprogramm.

MEDICA.de; Quelle: European Commission, CORDIS