EU-Netzwerk zum Hodgkin-Lymphom

Erkrankt in einem der Teilnehmerländer ein Kind am Hodgkin-Lymphom, erfolgt nach Einverständnis der Eltern der Einschluss des Patienten in die europaweite Therapie-Optimierungs-Studie EuroNet-PHL-C1. Ab diesem Zeitpunkt müssen sich die mehr als 100 beteiligten Krankenhäuser streng an einen festen Ablauf halten. Alle jungen Patienten werden im Rahmen eines wissenschaftlich durch die Deutsche Krebshilfe e.V. geförderten Behandlungsprotokolls betreut. Darin ist auch die Art der Diagnostik genau vorgeschrieben.

Und so funktioniert das Netzwerk: Die Bilddaten der Kinder und Jugendlichen werden von einem Expertenteam aus Pädiatrischen Onkologen, Radiologen, Nuklearmedizinern und Strahlentherapeuten begutachtet. Das Team gibt dann als Zweitmeinung eine Therapieempfehlung an die behandelnden Kinderonkologen europaweit. Das Expertenteam trifft sich wöchentlich am Universitätsklinikum Halle und wertet dort jeweils zehn bis 20 Fälle aus.

Im Laufe der nächsten Monate werden alle beteiligten Krankenhäuser europaweit an einen Zentralserver angeschlossen. Damit können alle Bilddateien schnell und effizient verschickt und abgerufen werden. Diese Netzwerklösung ist aufgrund der EU-Förderung von zwei Millionen Euro möglich und dringend nötig. "Da es sich um eine sehr seltene Krankheit handelt, ist vor Ort in den einzelnen Krankenhäusern in den verschiedenen Ländern die Expertise für Diagnostik und Therapie sehr unterschiedlich ausgeprägt", erläutert Professor Regine Kluge, leitende Oberärztin der Klinik und Poliklinik für Nuklearmedizin des Universitätsklinikums Leipzig und Initiatorin des Netzwerkes.

"Wir wollen die Heilungschancen maximieren und die Nebenwirkungen minimieren." So umreißt das Expertenteam seinen Auftrag. Chemotherapie und Bestrahlungen kommen bei der Therapie zur Anwendung. Allerdings weiß man heute, dass in circa 25 Prozent der Fälle durch die Bestrahlung innerhalb von 30 Jahren bösartige Zweittumore entstanden sind. Dies will man dadurch vermeiden, dass man wo immer möglich auf eine Strahlentherapie verzichtet. Laut Kluge sei das in etwa 50 Prozent der Fälle möglich.

MEDICA.de; Quelle: Universität Leipzig