Ebola: Nachweis mit Teststreifen statt im Labor

Interview mit Dr. Peter Miethe, Geschäftsführer, fzmb GmbH, Forschungszentrum für Medizintechnik und Biotechnologie

Beim Ausbruch von Infektionskrankheiten wie Ebola ist eine schnelle Diagnostik wichtig, denn der frühe Nachweis eines Erregers kann zusammen mit den richtigen Hygienemaßnahmen seine weitere Ausbreitung verhindern. Labore und ausgebildetes Personal gibt es aber nicht überall. Preiswerte und transportable Teststreifen können hier Abhilfe schaffen.

04/01/2016

Foto: Blutphiole mit Aufschrift "Ebola-Test"

Bluttests, zum Beispiel auf das Ebola-Virus, sind häufig teuer und können nur von geschultem Personal durchgeführt werden; ©panthermedia.net/ federicofoto

Im Interview mit MEDICA.de spricht Dr. Peter Miethe über einen Teststreifen zum Nachweis des Ebola-Virus‘, seine Erprobung in Guinea und die Anforderungen an Point-of-Care-Diagnostika für den Einsatz in entlegenen Gebieten.

Herr Dr. Miethe, das fzmb hat im letzten Jahr einen Point-of-Care-Test für das Ebola-Virus entwickelt. Was ist der Hintergrund?

Dr. Peter Miethe: Vor dem Hintergrund des Ebola-Ausbruchs im letzten Jahr haben wir einen Lateral Flow-Streifentest in eine verkaufsfähige Form gebracht und zusammen mit der Firma Senova aus Weimar validiert. Dabei handelt es sich um einen Schnelltest zum Nachweis des Ebola-Virus-Antigens VP40. Dieses wird im Kapsid des Virus exprimiert.

Wir haben zu diesem Thema schon sehr lange Vorlaufzeit gehabt: Ich persönlich beschäftige mich damit schon seit 1999, das fzmb seit 2007. Die Entwicklung war 2011 abgeschlossen.

Benötigt man für diesen Test noch eine spezielle Ausrüstung?

Miethe: Nein, das funktioniert so ähnlich wie bei einem Schwangerschaftstest. Man gibt Blut oder Speichel in eine Kartusche. Diese Probe läuft durch eine poröse Membran. Bei einer positiven Probe erscheint dann ein Balken im Sichtfenster, bei einer negativen nicht. Außerdem erscheint ein Kontrollbalken, der anzeigt, ob der Test richtig durchgeführt wurde. Mit einem Test-Kit für rund 76 Euro lassen sich 20 Tests durchführen.

Sie haben den Test letztes Jahr während des Ebola-Ausbruchs in Guinea erprobt. Wie sah die Arbeit dort aus?

Miethe: Wir haben eng mit dem Donka Hospital in Conakry zusammengearbeitet, um den Test zu validieren. Mit dem Labor dort haben wir ein Seren-Panel zusammengestellt. Das Panel bestand aus etwa hundert positiven und ein paar hundert negativen Proben. Als Referenz haben wir mit der PCR-Methode (Polymerase-Kettenreaktion) einen Nukleinsäure-Nachweis für das Ebola-Virus durchgeführt.
Foto: Patientenfinger mit Blutstropfen

Eine Alternative zu den teuren, aufwendigen Laboruntersuchungen können Teststreifen sein. Mit ihnen wird häufig nur eine geringe Blutmenge und keine weitere Ausrüstung für den Test benötigt. Für den Einsatz in entlegenen Gebieten sind sie damit ideal; ©panthermedia.net/ vverve


Als wie zuverlässig hat sich der VP40-Test herausgestellt?

Miethe: VP40 erscheint im Patientenblut später als die Nukleinsäure und ist auch nicht so sensitiv nachweisbar. Vereinfacht gesagt: Zwei bis vier Tage nach der Infektion kann man den Test auf die Nukleinsäure durchführen, nochmals zwei bis vier Tage später den Test auf VP40. Beide haben aber unterschiedliche Einsatzfelder.

Der Test auf die Nukleinsäure ist relativ aufwendig und nur im Labor durchführbar. Er kostet auch etwa das Zwanzigfache und kann nur von ausgebildetem Personal durchgeführt werden. Es gibt auch Bemühungen, das in einer Testkartusche umzusetzen, aber der Nukleinsäure-Test ist eben komplex und aufwendig.

Der Schnelltest ist wirklich für den Einsatz im Feld gedacht. Er kann einerseits transportiert und gut in entlegene Gebiete gebracht werden. Dafür ist er nahezu ideal. Er ist nicht unbedingt das beste Mittel, um früh eine Infektion zu erkennen, kann aber zum Beispiel benutzt werden, um Ebola bei einem Toten nachzuweisen.

Welche Anforderungen bestehen denn generell an Point-of-Care-Tests für den Einsatz im Feld?

Miethe: Einerseits sollen sie idealerweise so spezifisch und sensitiv sein wie ein Labortest, andererseits müssen sie sehr preiswert herstellbar und möglichst unbegrenzt beim Raumtemperatur lagerbar sein.

Diese Anforderungen sind aber oft nur mit Abstrichen umzusetzen. Der VP40-Test ist auf jeden Fall preiswert herzustellen, gut zu transportieren und zu lagern. Dafür ist er nicht so exakt und so empfindlich wie ein Labortest.

Ihre persönliche Einschätzung: Hat sich durch den vergangenen Ausbruch die Einstellung der Diagnostika-Branche zu Ebola verändert? Nimmt sie die Krankheit ernst?

Miethe: Nein, das glaube ich nicht. Das liegt aber auch daran, dass Ebola mit einer guten Hygiene gut zu beherrschen ist. Es hatte außerdem mit den Rahmenbedingungen in den betroffenen Ländern zu tun, dass es so weit gekommen ist.

Welche weitere Entwicklung planen Sie hinsichtlich der Ebola-Tests?

Miethe: Unser generelles Ziel ist es, dezentrale Diagnosesysteme zu entwickeln. Vor dem Hintergrund der Erfahrungen in Guinea haben wir jetzt ein neues Projekt gestartet: Darin wollen wir kleine, mobile Analysesysteme schaffen, die spezifischer und sensitiver als ein einfacher Teststreifen sind, aber nicht unbedingt sehr viel teurer. Dabei verfolgen wir den Gedanken, sie durch 3D-Druck herzustellen, damit sie auch vor Ort gebaut und repariert werden können.
Foto: Timo Roth; Copyright: B. Frommann

© B. Frommann

Das Interview wurde geführt von Timo Roth.
MEDICA.de