Herz: Ein Drittel der Erwachsenen ist körperlich inaktiv

31/01/2014
Foto: Mann auf der Couch

Ein Drittel der Erwachsenen in Deutschland ist körperlich inaktiv und erhöht so ihr Risiko für koronare Herz-
krankheit; © panthermedia.net/Paul Vasarhelyi

Als alarmierend stuft die Deutsche Herzstiftung die Tatsache ein, dass in Deutschland 30 % der Erwachsenen körperlich inaktiv sind, wie der neue Deutsche Herzbericht 2013 dokumentiert.

„Dies bedeutet eine große Herausforderung für das Gesundheitswesen in der Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, aber auch anderer schwerwiegender Krankheiten wie Krebs“, warnt der Kardiologe Prof. Thomas Meinertz, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung, bei der Vorstellung des neuen Herzberichts in Berlin. Bewegungsmangel ist ein wesentlicher Risikofaktor für die Entstehung und das Fortschreiten der koronaren Herzkrankheit (KHK), der Krankheit, die dem Herzinfarkt vorausgeht. Längst wissenschaftlich belegt ist zudem die vorbeugende Wirkung von regelmäßiger Bewegung gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt, Schlaganfall und Bluthochdruck.

Trotzdem bewegen sich leider immer noch zu viele Menschen viel zu wenig in ihrem Alltag: 34,3 % der Frauen und 33,0 % der Männer erklären sich als „sportlich inaktiv“. Dies ergab die „Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DEGS1)“ des Robert-Koch-Instituts. „Umso bedenklicher ist diese Entwicklung in der Bevölkerung, wenn man bedenkt, welchen dominierenden Einfluss die koronare Herzkrankheit und die Herzinsuffizienz (Herzschwäche) auf die Sterblichkeit in allen Bundesländern haben“, hebt Meinertz hervor. Denn insgesamt starben laut Deutschem Herzbericht 2013 allein im Jahr 2011 127.101 Menschen an KHK, davon mehr als 52.000 am akuten Herzinfarkt, 45.428 Menschen starben an Herzschwäche in Deutschland.

Mit Sorge beobachten Kardiologen außerdem einen Rückgang der Anzahl teilnehmender Patienten an den Herzgruppen zur Betreuung chronisch Herzkranker im Sinne der Rehabilitation. Solche Herzgruppen meiden zunehmend die jüngeren, vorwiegend berufstätigen Patienten und besonders Patientinnen. Nur noch jeder fünfte Herzinfarktpatient sucht eine Herzgruppe auf. Bewegungstherapie ist aber in der Rehabilitation von Herzkranken, zum Beispiel nach einem Herzinfarkt, sehr wichtig und ein wesentliches Element in den von den Landesorganisationen der Deutschen Gesellschaft für Prävention und Rehabilitation von Herz-Kreislauferkrankungen (DGPR) betreuten über 6.300 Herzgruppen in Deutschland. Diese Herzgruppen werden zunehmend von älteren Männern (Durchschnittsalter: 69,03 Jahre in 2012) dominiert, während der Anteil von Frauen lediglich 28,6 % beträgt. „Hier sind dringend Aktionen notwendig, wie man die Bewegungsangebote in den Herzgruppen auch für die jüngeren Patienten attraktiver macht“, fordert Meinertz. Ferner bestehen regionale Unterschiede in der Versorgung mit Herzgruppen. „Besonders in den neuen Bundesländern und in ländlichen Regionen müsste es noch mehr Herzgruppen geben.“

Positiv bewertet die Herzstiftung, dass sich in Deutschland heute mehr Frauen und Männer als vor zehn Jahren bewegen (DEGS1). Für gesunde Erwachsene werden moderate Aktivitäten von mindestens 30 Minuten pro Tag (möglich auch in 10-Minuten-Abschnitten), fünfmal in der Woche, empfohlen. Bei Kindern liegt das tägliche Minimum an körperlicher Bewegung bei ein bis zwei Stunden pro Tag. Wegen der Zunahme der Adipositas von Kindern empfehlen ärztliche Fachgesellschaften zudem eine Stunde Schulsport täglich. Übergewicht und Adipositas zählen zu den klassischen Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, sie schränken die Beweglichkeit des Betroffenen ein, erhöhen den Blutdruck, Blutzucker und Blutfette.

MEDICA.de; Quelle: Deutsche Herzstiftung e.V./Deutsche Stiftung für Herzforschung