Ein Inkubator für das MRT

Interview mit Nina Friedrich, Leiterin Marketing und Kommunikation, LMT Medical Systems GmbH

Bei frühgeborenen Kindern entscheidet jede Kleinigkeit über Leben und Tod. Die richtige Diagnostik spielt daher eine enorm wichtige Rolle. Hierzu zählt auch die Untersuchung der Säuglinge in einem MRT. Bisher war es nur bedingt möglich, frühgeborene Babys ohne Inkubator in ein MRT zu schieben. Doch dieses Problem könnte nun gelöst worden sein.

01.03.2016

Foto: Lächelnde junge Frau mit Brille und kurzen blonden Haaren; Copyright: LMT Medical Systems GmbH

Nina Friedrich; ©LMT Medical Systems GmbH

Im Interview mit MEDICA.de sprach Nina Friedrich über die Besonderheiten des MR Diagnostik Inkubator Systems nomag® IC und worauf es bei der Konstruktion des Gerätes ankam.

Frau Friedrich, wann sind MRT Untersuchungen bei Früh-/ Neugeborenen sinnvoll?

Nina Friedrich:
Bei unspezifischen Auffälligkeiten des Patienten oder häufig auch um die Ursache von Krampfanfällen zu ermitteln. Im MRT sieht der Arzt, ob zum Beispiel eine Blutung im Gehirn vorliegt. MRT-Bilder sind sehr genau, sodass auch Details wie der Einblutungsherd oder Gewebeirritationen zu erkennen sind. Mit einer diffusionsgewichteten MRT kann beispielsweise eine mögliche Prognose nach geburtsbedingtem Sauerstoffmangel gegeben und Rückschlüsse auf den Verlauf von Nervenbahnen im Gehirn gezogen werden.

Da die MRT weitestgehend strahlungsfrei ist und sehr detaillierte Bilder, zum Beispiel des Gehirns, liefert, ist sie insbesondere bei Kinderärzten sehr beliebt.

Warum war es bisher schwierig, diese MRT-Untersuchung durchzuführen? Was kann ohne Inkubator im MRT passieren?

Friedrich: Für ein Frühgeborenes ist es wichtig, in der Atmosphäre des Brutkastens beziehungsweise des stationären Inkubators der Neugeborenen-Intensivabteilung zu bleiben. Diese Geräte kann man jedoch nicht in einen MRT schieben, da sie magnetisch sind und sonst vom Magnetfeld des Tomografen angezogen werden würden. Der Inkubator würde schlichtweg im MRT kleben bleiben. Um dieser Gefahr zu entgehen, müssen die Geräte so konstruiert werden, dass sie zum einen nicht angezogen werden und zum anderen die Elektronik des Inkubators auch unter dem Magnetfeld des Tomografen weiterlaufen kann.

Ein Neugeborenes im MRT ohne den Inkubator kann auskühlen, bewegt sich höchstwahrscheinlich und benötigt dann in der Regel eine Vollnarkose damit es ruhig liegen bleibt. Die Bewegung des Patienten wirkt sich negativ auf die Bildqualität aus, das wiederum kostet viel Zeit am MRT, da die Untersuchung dann so oft wiederholt werden muss, bis die Ergebnisse gut sind. Da die Zeit am MRT in der Regel knapp und teuer ist, ist Zeitersparnis sehr wichtig. Diese unschöne Lösung kann man sich mit unserem Gerät ersparen.

Foto: Ausgeklappter Inkubator mit Puppe eines Neugeborenen darin; Copyright: LMT Medical Systems GmbH

Für ein Frühgeborenes ist es wichtig, in der Atmosphäre des Brutkastens beziehungsweise des stationären Inkubators der Neugeborenen-Intensivabteilung zu bleiben. Für MRT-Untersuchung ist deshalb ein kompatibler Inkubator besonders nützlich; ©LMT Medical Systems GmbH

Wie ist der nomag®IC aufgebaut? Was macht ihn besonders?

Friedrich: Besonders ist vor allem, dass er in der Nähe und im Inneren eines Tomografen überhaupt funktioniert. Er bietet den Patienten eine Temperatur- und Feuchtigkeitsregelung.  Er bietet eine unabhängige Strom- und Gasversorgung und der Patient kann komfortabel damit zum MRT gerollt werden. Der Vorteil ist, dass man das Frühgeborene auf der Neointensivstation entsprechend vorbereiten und umlagern kann, ehe es zur Untersuchung in die Radiologie gebracht wird. Dort angekommen, hebt man den Inkubator auf die MRT-Liegefläche und verbindet die MR-Spule mit dem Tomographen. Das Kind muss also nicht noch einmal umgelagert werden. Die Ärzte kalkulieren das meistens so, dass die Untersuchung direkt nach dem Füttern stattfindet, weil dann die Kinder beim Rollen über den Gang, wie bei einem Spaziergang mit dem Kinderwagen, in der Regel einschlafen. Das hängt aber auch immer vom Gesundheitszustand des Kindes ab. Der Arzt kann so häufig komplett auf die Narkose verzichten und spart neben der Zeit auch noch Personal ein, da kein Anästhesist während der MR-Untersuchung benötigt wird.

Worauf musste bei der Konzeption geachtet werden, damit er MRT-tauglich ist?

Friedrich: Wichtig ist, dass man MR-taugliche Materialien verwendet. Das betrifft alle Bauteile, den Motor eingeschlossen, die zum Gerät gehören. Zusätzlich muss die Elektronik abgeschirmt werden. Es muss also wie gesagt so konstruiert sein, dass alle Funktionen unter dem Tomografen einwandfrei weiterlaufen und gleichzeitig die Bildgebung nicht gestört wird.

Warum ist es nötig, die Neugeborenen trotzdem noch umzubetten? Könnten sie nicht eigentlich schon auf der Neointensiv im nomag®IC liegen?

Friedrich: Nein, das wäre nicht sinnvoll. Unser Gerät ist ausgelegt auf einen kurzzeitigen Einsatz, dies beinhaltet den Transport zur Radiologie und die MRT-Untersuchung. Im Vergleich zu einem stationären Inkubator auf der Neointensivsation ist unser Gerät größer und länger, bedingt durch die Größe der Liegefläche des Tomografen, das wäre unpraktisch auf einer Station. Stationäre Inkubatoren haben zudem einen anderen Schwerpunkt, hier zählen Handhabung und Zugang zum Patienten mehr.

Das Interview wurde geführt von Kilian Spelleken.
MEDICA.de