Für die erfolgreiche Behandlung einer HIV-Infektion ist es entscheidend, dass sich die Patienten genau an das antiretrovirale Therapieschema halten. Ungenügende Compliance fördert das Entstehen von Resistenzen. Häufiges Problem bei der antiretroviralen Therapie ist die Nausea.

Kürzlich haben zwei Studien einen negativen Zusammenhang zwischen dem Marihuana-Rauchen und der Therapie-Compliance gezeigt. Einige Patienten behaupteten dagegen, Marihuana helfe ihnen dabei. In einer kalifornischen Studie sollte nun untersucht werden, ob und welche Subgruppe von Patienten vom Marihuana-Rauchen profitiert.

Eine Arbeitsgruppe von der Stanford University School of Medicine, USA, befragte 252 Patienten in Bezug auf ihre antiretrovirale Therapie. 41 von ihnen (24 Prozent) bekannte sich zum Marihuana-Rauchen. Zunächst konnte kein allgemeiner Zusammenhang zwischen dem Gebrauch der illegalen Droge und der Therapie-Compliance hergestellt werden.

Dies änderte sich, als die Wissenschaftler selektiv die Daten jener Patienten analysierten, die angaben, unter der antiretroviralen Therapie häufig an mittelschwerer bis schwerer Nausea zu leiden. In dieser Subgruppe hielten sich jene Patienten, die Marihuana rauchten, mit einer 3,3-fach höheren Wahrscheinlichkeit an ihre Therapie als die Nicht-Marihuana-Raucher.

Weder das Geschlecht der Patienten, noch Alter, Ethnizität, Lebensqualität, Schmerz oder Einnahme bestimmter antiretroviraler Substanzen hatte einen signifikanten Einfluss auf die Therapie-Compliance.

Alkoholmissbrauch und der Genuss anderer illegaler Drogen außer Marihuana dagegen war der Compliance eindeutig abträglich. Jetzt sollen Studien zeigen, ob es sinnvoll ist, HIV-Patienten ambulant mit Marihuana zu versorgen.

MEDICA.de; Quelle: J Acquir Immune Defic Syndr 2005, Vol. 38, S. 43-46