Ein Kind im Medizinstudium

Foto: Studentin mit Kind im Hörsaal

Medizinstudentin Anna Magdalena
Drees mit Sohn; © UK Ulm

Die Pilotstudie analysiert, mit welchen Schwierigkeiten Studierende mit Kindern im anspruchsvollen Medizinstudium zu kämpfen haben und entwickelt daraus Konzepte zur Verbesserung. Mit einer Förderung des baden-württembergischen Wissenschaftsministeriums in Höhe von 190.000 Euro für zwei Jahre wird die Studie auf alle Medizinischen Fakultäten des Landes in Kooperation mit dem Landesinstitut FamilienForschung Baden-Württemberg ausgedehnt.

"Wenn die Studienzeit für Medizinerinnen der günstigste Zeitpunkt für Nachwuchs ist, müssen wir dafür sorgen, dass das Medizinstudium mit Kind möglich ist", erklärt Professor Jörg M. Fegert, Studiendekan der Medizinischen Fakultät und Familienforscher. "Der Frauenanteil unter den Medizinstudierenden liegt bei über 60 Prozent. Ein familienfreundliches Studium ist daher ein Baustein, um sicherzustellen, dass wir in Deutschland auch in Zukunft genügend Ärzte haben", so Fegert.

Für die Studie befragte Fegert mit seinem Team in 37 strukturierten Interviews etwa die Hälfte der Ulmer Medizinstudierenden mit Kindern. Obwohl die meisten von ihnen das Studium als einen relativ günstigen Zeitpunkt für die Familiengründung sehen, haben sie mit vielen Schwierigkeiten zu kämpfen. Neben fehlender zentraler Beratung und finanziellen Problemen wurde besonders häufig die familienunfreundliche Studienorganisation genannt. Der Stundenplan ist im Medizinstudium sehr verschult. Und weil Lehrveranstaltungen und Praktika oft bis in den Abend hinein dauern, fehlen zu diesen Zeiten Betreuungsmöglichkeiten für die Kinder.

Das Ulmer Studiendekanat zieht aus den Analysen der Studie Konsequenzen. "Wir sind dabei, den Lehrplan so umzuarbeiten, dass studierende Eltern ihre Veranstaltungen in der Kernarbeitszeit besuchen können", erläutert Studienreferent Hubert Liebhardt, im Dekanat der Medizinischen Fakultät Ulm verantwortlich für Studienangelegenheiten. Ein Teilzeitstudium ist in der Medizin bisher in Deutschland nicht vorgesehen. "Wir möchten aber in einem ersten Schritt für Studierende mit Kindern flexiblere Fristen einführen“, so Liebhardt.

MEDICA.de; Quelle: Universitätsklinikum Ulm