Ein Pulssignal aus dem ewigen Eis

Das Corlink-System (orange) sendet
herzliche Grüße in die Heimat
© Alfred-Wegener-Institut

Während der Chirurg in der Antarktis operiert, überwacht der Anästhesist den Zustand des Patienten vom Klinikum Bremerhaven aus. Mit 128 Kilobit pro Sekunde überträgt eine Satellitenstandleitung zwischen dem Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven und der deutschen Forschungsstation Neumayer in der Antarktis medizinische Daten.

Obwohl die beteiligten Ärzte Tausende von Kilometern getrennt sind, können die virtuellen OP-Teams mit nur zwei bis drei Sekunden Verzögerung Bilder, Messwerte und Ratschläge austauschen.

Bis zu zehn Monate sind die neun Überwinterer im antarktischen Winter nur über Satellit mit der Außenwelt verbunden. Ein Chirurg ist zwar stets Mitglied der Überwinterungsmannschaft, allerdings konnten ihm bisher nur Laienhelfer aus dem Überwinterungsteam bei Operationen assistieren. Das neue System wird seit 2004 getestet.

"Die Erprobung in der Sommersaison verlief für alle Beteiligten erfolgreich", berichtet Eberhard Kohlberg, Arzt und ehemaliger Überwinterer auf der Neumayer-Station. "Wir haben stundenlang übertragen, ohne dass Aussetzer auftraten. Die Qualität der empfangenen Bilder wäre innerhalb des Krankenhauses nicht besser."

Für die Telemedizin wurde die schon seit 2001 bestehende Zusammenarbeit zwischen dem Alfred-Wegener-Institut und dem Klinikum Bremerhaven vertieft. Dr. Mario Kasper, Chefarzt der Anästhesieabteilung im Klinikum, erklärt: "Mit dem Corlink-System werden Daten wie Sauerstoffsättigung des Blutes und Kohlendioxidgehalt bei der Ausatmung, Temperatur, Pulsfrequenz, EKG und Blutdruck in Echtzeit übertragen. Anhand dieser Daten kann ich von Bremerhaven aus die Narkose überwachen. Sollten die Messwerte Veränderungen der Atmung oder des Kreislaufs anzeigen, kann ich den Kollegen in der Neumayer-Station per Telefon darauf aufmerksam machen oder ihm eine Nachricht direkt auf den Bildschirm senden.“

MEDICA.de; Quelle: Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung