Krebs: Eine Pille gegen Metastasen?

21.02.2014
Foto: Gewebeschnitt

Gewebeschnitt von Mäuselungen: Metastasen werden beim Fehlen (unten links) oder einer Mutation (unten rechts) des Gens für Cbi-b vermieden. Zum Vergleich oben Gewebeschnitte beim Vorhandensein von Cbi-b; © IMBA

Wissenschaftler am Institut für Molekulare Biotechnologie (IMBA) der österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) haben einen Mechanismus entdeckt, wie Immunzellen metastatische Tumore angreifen. Ihre Ergebnisse könnten der Grundstein zur Entwicklung einer „Pille“ gegen Metastasen sein.

Das Immunsystem ist nicht nur für die Bekämpfung von Infektionen verantwortlich, es spielt auch eine wichtige Rolle in der Erkennung und Zerstörung von Krebszellen. Bei der Krebs-Immuntherapie wird der ganze Körper in den Kampf gegen die Krankheit miteinbezogen. Österreichische Wissenschaftler haben jetzt – in Zusammenarbeit mit Kollegen aus Australien und Deutschland – gezeigt, dass ein Protein namens Cbl-b eine Art molekulare Bremse für Immunzellen darstellt. Löst man diese Bremse, können die so genannten natürlichen Killerzellen (NK-Zellen) Tumormetastasen hocheffektiv bekämpfen.

„Wenn wir Cbl-b in den NK-Zellen abschalten, werden diese sozusagen scharfgestellt und reduzieren signifikant Metastasen von Brusttumoren und Melanomen“, fasst Erstautorin Magdalena Paolino, Postdoc in der Forschungsgruppe von Josef Penninger, die Ergebnisse der Studie zusammen.

Den Forschern ist es gelungen, einen Pfad zu identifizieren, über den Cbl-b die Funktion der NK-Zellen reguliert. Gemeinsam mit dem Lead Discovery Center der Max-Planck-Gesellschaft in Dortmund haben sie ein Molekül entwickelt, das die dafür verantwortlichen Rezeptoren blockiert. „Cbl-b wirkt über die so genannten TAM Rezeptoren wie eine molekulare Bremse auf die NK-Zellen. Wenn wir diese Rezeptoren mit unserem Molekül – oral verabreicht oder als Injektion – gezielt blockieren, werden die Metastasen in unseren genetischen Modellen deutlich reduziert“, weiß Paolino.

„Metastasen sind eine der Hauptursachen, warum Krebspatienten sterben. Unsere Erkenntnisse deuten darauf hin, dass es möglich sein wird, Inhibitoren gegen diesen und weitere Pfade zu entwickeln. So wird das Immunsystem dazu angeregt, Krebsmetastasen zu zerstören. Eine derartige Entwicklung wäre ein Heiliger Gral der Krebstherapie. Trotz allem müssen noch weitere Experimente folgen, um unsere Erkenntnisse zu vertiefen und mögliche Nebenwirkungen ausschließen zu können“, beschreibt Penninger, Direktor am IMBA, das Potenzial der Entdeckung.

Die IMBA-Wissenschaftler konnten in ihrer Arbeit auch ein mehr als 50 Jahre altes Rätsel in der Krebstherapie lösen. Seit langem war bekannt, dass Warfarin – der weltweit am häufigsten eingesetzte Gerinnungshemmer – Tumormetastasen in Modellsystemen reduziert. Der zugrunde liegende Mechanismus war bis dato jedoch unklar.

„Unsere Erkenntnisse zeigen, dass der anti-metastatische Effekt von Warfarin durch die Inhibierung unseres neu entdeckten Cbl-b/TAM-Signalweges in NK-Zellen erklärt werden kann. Dieses Ergebnis liefert einen Anstoß, die Behandlung von Metastasen mit Warfarin und anderen Vitamin K-Antagonisten erneut zu überdenken“, schließt Paolino.

MEDICA.de; Quelle: IMBA – Institut für Molekulare Biotechnologie