Eine weit verbreitete Kinderkrankheit

Foto: Krankes Kind

Antibiotika sind keine harmlosen
Medikamente und sollten deshalb
nicht bei jedem fieberhaften Infekt
verordnet werden;© panther-
media.net/Erwin Wodicka

Die epidemisch auftretende Infektionskrankheit wurde in früheren Jahrhunderten in ihrer Gefährlichkeit mit Pest, Typhus und Cholera verglichen. Die Sterberate betrug in manchen Epidemien 20 Prozent, teilweise starben sogar mehr als 50 Prozent der mit Scharlach angesteckten Kinder. Selbst in die Literatur fand die Krankheit Eingang: Nachdem zwei seiner zehn Kinder an Scharlach gestorben waren, schrieb der Dichter Friedrich Rückert um 1830 seine „Kindertotenlieder“, die später von Gustav Mahler vertont worden sind. Auch Mahlers Tochter Maria Anna („Putzi“) wurde mit fünf Jahren Opfer einer kombinierten Scharlach-Diphtherie-Infektion.

Die Erreger des Scharlachs sind Bakterien, Streptokokken der Gruppe A. Davon gibt es rund 80 verschiedenen Typen, die normalerweise eine Streptokokken-Angina, also eine Halsentzündung, verursachen. Der Scharlach ist eine Sonderform der Streptokokken-A-Infektion, der durch spezielle Streptokokken-Typen hervorgerufen wird. Sie sind in der Lage, ein spezielles Scharlachgift zu produzieren, das den typischen Scharlachausschlag auslöst. Im Grunde ist Scharlach also eine Streptokokken-Angina mit Ausschlag.

Die Abwehrkräfte des Kindes produzieren Antikörper gegen diesen Giftstoff, so dass es anschließend gegen Scharlach immun ist. Da es aber mindestens vier Scharlacherreger gibt, erkranken manche Kinder mehrmals an Scharlach. Solche Zweiterkrankungen haben nichts damit zu tun, ob das Kind mit Penicillin behandelt worden ist, betont die Stiftung Kindergesundheit in ihrer Stellungnahme.

In Deutschland erkranken jährlich mindestens 50.000 Menschen an typischem Scharlach, die Zahl der von einer Streptokokken-Angina Betroffenen wird auf 1 bis 1,5 Millionen geschätzt. Nach einer aktuellen Statistik wird in einem Jahr bei 6,27 Prozent aller Kinder unter fünf Jahren Scharlach diagnostiziert.

Streptokokken werden meistens durch Tröpfchen aus dem Atem übertragen, aber auch durch Wäsche, Kleidung, Spielzeug und Bücher. Gelegentlich verbreiten sie sich auch über verunreinigte, schlecht gekühlte Lebensmittel.

MEDICA.de; Quelle: Stiftung Kindergesundheit