Es ist bekannt, dass Patienten mit deutlichen Nierenfunktionsstörungen ein erhöhtes Risiko für Oberschenkelhalsbrüche haben. Ob auch leichte Einschränkungen der Nierenfunktion dieses Risiko erhöhen, war bislang nicht in einer großen, prospektiven Studie untersucht worden.

Das holt jetzt die „Study of Osteoporotic Fractures“ nach. 9.704 Frauen im Alter über 65 Jahren konnten zwischen 1986 und 1988 für diese Untersuchung gewonnen werden. Während des durchschnittlichen Nachbeobachtungszeitraums von 5.9 Jahren untersuchte man 149 Frauen näher, die einen ersten Oberschenkelhalsbruch erlitten hatten. Außerdem wurden 150 Frauen mit einer Wirbelkörperfraktur selektiert. Allen Frauen wurde dann Blut abgenommen und anhand der Ergebnisse die renale Funktion analysiert.

Mit abnehmender glomerulärer Filtrationsrate steigt offenbar das Risiko eines Oberschenkelhalsbruchs (p kleiner 0.001). Dies blieb auch signifikant, nachdem man Faktoren wie Körpergewicht und Body Mass Index mit einberechnet hatte. Besonders eng ist die Beziehung zwischen sinkender glomerulärer Filtrationsrate und Frakturen im trochantären Bereich. Zwischen der glomerulären Filtrationsrate und Wirbelfrakturen gab es jedoch keinen messbaren Zusammenhang.

Offenbar, so schreiben Kommentatoren, ist eine eingeschränkte Nierentätigkeit auch in leichten Fällen ein unabhängiger Risikofaktor für Oberschenkelhalsfrakturen, selbst dann, wenn der Patient nicht an Osteoporose leidet. Vermutlich führt die Einschränkung der Nierenleistung dazu, dass sich der Mineralhaushalt des Knochens verändert und dadurch brüchiger wird. Bei Patienten mit eingeschränkter Nierenleistung empfiehlt sich die regelmäßige Kontrolle der Vitamin D-Spiegel. Und: Erleiden Patienten Frakturen, sollte erst die Niere untersucht werden, bevor man eine Osteoporose annimmt.

MEDICA.de; Quelle: Archives of Internal Medicine 2007, Vol. 167, S. 133-139