Man weiß nur wenig über den Zusammenhang zwischen Demenz und emotionaler Isolation, obwohl man weiß, dass soziale Isolation das Risiko einer Demenz erhöht. Als sozial isoliert gilt eine Person, die nicht verheiratet ist, nur ein kleines soziales Netzwerk hat und nur selten an Aktivitäten mit anderen Menschen teilnimmt.

In der „Rush Memory and Aging Project“-Studie hat man nun die Risikofaktoren chronischer Erkrankungen im Alter erforscht. An dieser prospektiven Longitudinalstudie nahmen 823 Personen aus verschiedenen Altersheimen in der Gegend von Chicago teil. Alle Probanden wurden intensiv geprüft. So untersuchte man unter anderem detailliert die kognitive Leistungsfähigkeit und beginnende Anzeichen einer Demenz. Außerdem wurde das soziale Netzwerk der Probanden anhand der „Jong-Gierveld Loneliness Scale“ untersucht.

Während des Nachbeobachtungszeitraums entwickelte sich bei 76 Probanden eine klinisch manifeste Demenz vom Alzheimer-Typ. Im Vergleich zu jenen Personen, die nach den Werten der „Jong-Gierveld Loneliness Scale“ als nicht einsam galten, war das Risiko einer Demenz bei einsamen Personen mehr als verdoppelt. Dabei zeigte sich ein klarer Zusammenhang zwischen dem Grad der Einsamkeit und dem kognitiven Verfall der Probanden.

90 Probanden starben während des Nachbeobachtungszeitraums und wurden obduziert. Bei jenen, die an einer Demenz gelitten hatten und einsam waren, zeigten sich keinerlei histopathologische Auffälligkeiten wie sie von einer Alzheimer-Demenz oder von zerebralen Infarkten bekannt sind. Die Studienleiter schließen daraus, dass es andere pathophysiologische Mechanismen geben muss, die von der Einsamkeit zur Demenz führen.

MEDICA.de; Quelle: Archives of General Psychiatry 2007, Vol. 64, S. 234-240