In den vergangenen 15 Jahren haben Wissenschaftler vergeblich versucht, die als Folge eines Schlaganfalls minderdurchbluteten Nervenzellen durch überlebensfördernde Medikamente, sogenannte Neuroprotektiva, zu schützen. Leider verliefen alle bislang durchgeführten klinischen Studien mit den bisher eingesetzten Substanzen erfolglos.

Die Arbeitsgruppe des Neurologen Dirk M. Hermann von der Universität Zürich hat nun in einer Arbeit nachgewiesen, dass verabreichte überlebensfördernde Medikamente in hohem Maße aktiv aus der geschädigten Hirnregion zurück in die Blutbahn transportiert werden. Die Forscher der Neurologischen Poliklinik konnten im Tierversuch nachweisen, dass das Transporter-Eiweiß Mdr-1 innerhalb weniger Stunden nach einem Schlaganfall im minderdurchbluteten Hirngewebe verstärkt gebildet wird. Mdr-1 ist in der Lage, die verabreichten Medikamente aktiv in die Blutbahn zurückzutransportieren, und verhindert damit, dass sich diese im geschädigten Hirngewebe anreichern. Indem die Wissenschaftler das Transporter-Eiweiß Mdr-1 hemmten, konnten sie die Konzentration verschiedener überlebensfördernder Substanzen bis zum Zehnfachen steigern, was die Wirksamkeit der Medikamente deutlich verbessert.

Aufgrund ihrer Beobachtungen sind die Wissenschaftler überzeugt, dass Mdr-1 mit dafür verantwortlich ist, dass zahlreiche Neuroprotektiva in der Schlaganfalltherapie versagt haben. Dies eröffnet wichtige neue Perspektiven für die Therapie.

Inzwischen befinden sich nebenwirkungsarme Medikamente, die Mdr-1 sehr selektiv hemmen, bereits in der klinischen Entwicklungsphase. Durch ihren Einsatz in der Schlaganfalltherapie sollte es gelingen, neuroprotektive Medikamente deutlich effizienter als bisher in das Hirngewebe einzuschleusen und die Erholung des minderdurchbluteten Gewebes dauerhaft sicherzustellen.

MEDICA.de; Quelle: Universität Zürich