Empfehlungen für Diagnose und Therapie zum Speiseröhrenkrebs

16.09.2015
Grafik: Speiseröhre im inneren des Körpers

Eine medizinische Leitlinie mit Empfehlungen zur Prävention, Diagnostik, Therapie, Palliation und Nachsorge beim Speiseröhrenkrebs war bislang in Deutschland nicht vorhanden; © panthermedia.net/Michael Osterrieder

Das Leitlinienprogramm Onkologie hat im September 2015 erstmals eine S3-Leitlinie zur Diagnostik und Therapie der Speiseröhre vorgelegt. Sie entstand unter der Federführung der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) und soll die Versorgung beim Speiseröhrenkrebs verbessern. Eine medizinische Leitlinie mit Empfehlungen zur Prävention, Diagnostik, Therapie, Palliation und Nachsorge beim Speiseröhrenkrebs war bislang in Deutschland nicht vorhanden.

Beim Speiseröhrenkrebs (Ösophaguskarzinom) werden zwei verschiedene Tumorarten, das Adenokarzinom und das Plattenepithelkarzinom, unterschieden. 2010 erkrankten in Deutschland ca. 4900 Männer und etwa 1.400 Frauen neu an dieser Krebsart. Die Erkrankung geht in der Regel mit einer schlechten Prognose einher. Ihre Behandlung ist medizinisch anspruchsvoll: So stellt die enge Nachbarschaft der Speiseröhre zur Lunge erhebliche technische Anforderungen an das operative und therapeutische Vorgehen. Besonders bei den Plattenepithelkarzinomen wird die Therapie außerdem dadurch erschwert, dass die betroffenen Patienten, bedingt durch Alkohol- und Tabakkonsum, häufig Begleiterkrankungen aufweisen, die die Therapiemöglichkeiten erheblich einengen.

Deshalb ist bei der Diagnostik und Therapie von Speiseröhrenkrebs ein hoher Grad an Zusammenarbeit zwischen verschiedenen ärztlichen Fachrichtungen erforderlich. "Dies gilt besonders für die Entscheidung, welche Patienten am meisten von einer alleinigen Operation profitieren und wer besser eine Radiochemotherapie vor der OP bzw. eine alleinige Radiochemotherapie bekommen sollte", erklärt Professor Dr. med. Rainer Porschen, Chefarzt der Medizinischen Klinik am Klinikum Bremen Ost und Koordinator der Leitlinie. "Wir freuen uns sehr, dass die vorliegende Leitlinie erstmals Behandlungsalgorithmen liefert, um die Therapieentscheidung zu erleichtern." Die Leitlinie berücksichtigt auch neue diagnostische Verfahren (zum Beispiel PET-CT), die erst vor kurzem in die Stufendiagnostik des Ösophaguskarzinoms eingeführt wurden. Sie enthält außerdem Qualitätsindikatoren, die mit einer standardisierten Methodik abgeleitet wurden und für die Zertifizierung von Krebszentren, für die Dokumentation im Rahmen von klinischen Krebsregistern und als Grundlage bei der Analyse von Therapieeffekten genutzt werden können.

"Der gesamte Magen-Darm-Trakt und dessen Behandlung ist für Gastroenterologen das Spezialgebiet schlechthin. Daher war es Aufgabe der DGVS als aktiver Partner die Federführung der Leitlinie zu übernehmen", sagt DGVS-Mediensprecher Professor Dr. med. Christian Trautwein aus Aachen. "Wir freuen uns, dass die fruchtbare Zusammenarbeit mit den verschiedenen beteiligten Fachgesellschaften und Institutionen dieses gute Ergebnis erbracht hat – vor allem auch Patienten werden von der neuen Leitlinie profitieren".

MEDICA.de; Quelle: Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie,
Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten e.V.

Die Leitlinien der DGVS im Internet: www.dgvs.de