Jährlich erkranken in Deutschland etwa 40.600 Männer neu an Prostatakrebs. Es gibt schnell und langsam wachsende Varianten des Prostatakarzinoms. In einem Forschungsprojekt haben Wissenschaftler nun herausgefunden, dass das Enzym LSD1 die Zellteilungs-Gene in genetisch veränderten Zellen aktiviert: LSD1 verringert die Packungsdichte dieser Gene, so dass die genetische Information zur Zellteilung viel häufiger abgelesen werden kann als normal.

Unter dem Einfluss von LSD1 vermehren sich die Zellen daher erheblich schneller. Diese Tatsache erklärt offenbar auch die Aggressivität bestimmter Prostatatumoren. Die Untersuchungen zeigen jedenfalls ganz klar: Je mehr LSD1, desto aggressiver die Krebszellen.

LSD1 hat damit eine ähnliche Wirkung wie das Hormon Testosteron, das ebenfalls die Zellteilung in der Prostata aktiviert. Unter seinem Einfluss können aus entarteten Zellen Tumoren entstehen. Daher versucht man bei Prostatakrebs die Produktion des Testosteron durch eine Anti-Hormontherapie zu hemmen.

Die Beeinflussung der Zellteilung durch das LSD1 könnte jetzt erklären, warum manche Tumoren trotz dieser Hemmung weiter wachsen: Das Enzym LSD1 kann nämlich die Zellteilungs-Gene so weit entpacken, dass die Zellen gar kein Testosteron mehr benötigen, um sich zu teilen. Das Ziel der Forscher ist es, das Enzym LSD1 auszuschalten und so die Zellteilung zu bremsen.

In Zellkulturen ist ihnen das bereits gelungen. Langfristig hoffen die Wissenschaftler auf Medikamente, die sich auch beim Menschen einsetzen lassen. Aber auch für die Diagnose ist die Entdeckung des LSD1 relevant. Die Menge des Enzyms in Tumorzellen der Prostata ist ein sehr guter Hinweis darauf, wie aggressiv die Krebszellen sind. Diese Tatsache könnte für diagnostische Zwecke genutzt werden.

MEDICA.de; Quelle: Nature 2005, Vol. 437, S. 436-439