Kürzlich hatte es in Quebec einen spektakulären Todesfall gegeben: Ein 15-jähriges Mädchen mit einer Erdnussallergie war gestorben, nachdem sie ihren Freund geküsst hatte. Der hatte zuvor ein Brot mit Erdnussbutter gegessen. Zwar kam ein Rechtsmediziner zu dem Ergebnis, dass das Mädchen nicht durch den Kuss unmittelbar gestorben sei, doch die Frage bleibt: Wie nahe dürfen Erdnussallergiker Menschen kommen, die mit Erdnüssen in Berührung gekommen sind?

Sicherheitshalber nicht zu nahe. Das lässt eine Studie vermuten, die jetzt beim Jahreskongress des „American Academy of Allergy, Asthma and Immunology (AAAAI)“ in Miami Beach vorgestellt wurde. Dr. Jennifer M. Maloney of Mount Sinai Medical Center in New York, USA, hatte mit ihrer Arbeitsgruppe den Spiegel von Erdnussprotein im Speichel von zehn freiwilligen Probanden gemessen. Alle hatten zuvor ein Sandwich gegessen, das mit exakt zwei Esslöffeln Erdnussbutter bedeckt worden war.

Gemessen wurde vor allem der Spiegel des Haupt-Erdnussallergens Ara h1. Dessen Spiegel lag unmittelbar nach dem Essen zwischen 15 ng/mL und 16,131 ng/mL im Speichel von sieben Probanden. Bei den anderen waren keine Allergene im Speichel nachweisbar. Innerhalb einer Stunde nach dem Essen war der Spiegel bei sechs der sieben Probanden unter die Nachweisgrenze gesunken. Nach viereinhalb Stunden war Ara h1 dann bei keinem der Probanden mehr nachweisbar.

Mit verschiedenen Methoden versuchten die Studienleiter, die Ara h1-Spiegel unmittelbar nach dem Erdnussverzehr unter die Nachweisgrenze zu drücken: Zähneputzen, Gurgeln, Kaugummiessen – ohne jeden Erfolg. Keine dieser Methoden konnte den Ara h1-Spiegel sicher unter die Nachweisgrenze senken. Die Studienleiter raten Partnern von Allergikern also, keine Erdnüsse zu essen oder danach zumindest einige Stunden auf das Küssen zu verzichten.

MEDICA.de; Quelle: American Academy of Allergy Asthma and Immunology (AAAAI) Jahreskongress 2006