Erfolge in der Hepatitis- und Aidsforschung

Foto: Bild von Viren

Forscher konnten nun entschlüsseln,
wie Viren chronische Infektionen
verursachen; © panthermedia.net /
Michael Kößling

Seit 2009 untersucht der deutsch-chinesische Sonderforschungsbereich Transregio 60, wie es Viren gelingt, dem Abwehrmechanismus des Körpers zu entkommen. Die Arbeitsgruppe um Professor Jörg Timm erforscht, wie eine chronische Infektion mit dem Hepatitis-C-Virus (HCV) entsteht. Auf Basis von Blutproben langjährig Infizierter konnte sie jetzt den Nachweis erbringen, dass sich die Viren systematisch an das Immunsystem angepasst haben – und zwar schnell und individuell.

Diese genetische Annäherung der HCV geht so weit, bis sie nahezu unsichtbar für die Körperpolizei werden. So bleibt der Kampf des Immunsystems gegen das Virus häufig erfolglos und die Infektion wird chronisch. Auch die Impfstoffentwicklung war deshalb bislang schwierig.

Die Forscher identifizierten jedoch auch Bereiche des Virus, die sich nicht ändern, da es sonst die Fähigkeit verliert, sich zu vermehren. Diese neuen Erkenntnisse über die Virenstruktur können bei der künftigen Entwicklung von Impfstoffen gegen HCV eine entscheidende Rolle spielen.

In einer Studie mit Mäusen konnte ihre Arbeitsgruppe jetzt zeigen, dass das Virus bestimmte Zellen des Immunsystems, sogenannte regulatorische T-Zellen, als Wirt missbraucht, um eine chronische Infektion zu etablieren. Die Zellen unterdrücken die Abwehrfunktion von anderen Immunzellen und verhindern normalerweise Autoimmunerkrankungen. In Mäusen ist es nun erstmals gelungen, während einer chronischen Infektion die regulatorischen T-Zellen zu zerstören und damit die körpereigene Abwehr gegen das Virus wiederherzustellen.

Die Forscher hoffen, dass diese neue Therapie schon bald bei Aids-Patienten eingesetzt werden kann. US-Forscher haben bereits ein Medikament entwickelt, das auch beim Menschen regulatorische T-Zellen abschaltet oder zerstört. Bisher wurden damit Leukämie-Patienten behandelt, bei chronischen Infektionen ist das Mittel aber noch nicht eingesetzt worden.


MEDICA.de; Quelle: Universität Duisburg-Essen