Harnwegsinfekte gehören bundesweit mit zu den häufigsten Infektionen. Ursache des schmerzhaften Übels sind allen voran Escherichia (E.)-coli-Bakterien: In bis zu 80 Prozent der Fälle sind sie die Krankheitserreger. Wird ein Arzt konsultiert, stellt sich ihm meist die Frage, ob er Antibiotika einsetzen soll und welchen Wirkstoff er wählt. Fluorochinolone sind die klassische Arznei gegen Harnwegsinfektionen. Mit den Standard-Antibiotika, die gut verträglich sind und eine große therapeutische Bandbreite haben, gibt es allerdings ein Problem: In den letzten Jahren entwickeln sich immer mehr resistente E.-coli-Stämme. Dies ist eine Folge der massiven Verwendung von Breitband-Antibiotika – wie eben auch von Fluorochinolonen.

Laut Dr. Sven Bülow von der Eppendorf AG kann angesichts der drastischen Zunahme von Resistenzen ein vorheriger Empfindlichkeitstest mit raschen, aussagekräftigen Ergebnissen die Entscheidung über den Einsatz von Fluorchinolonen beschleunigen. Konventionelle Methoden, mit denen Resistenzen getestet und Keime bestimmt werden, sind sehr zeitaufwendig: Es müssen Kulturen angelegt werden, und bis zur Auswertung vergehen mindestens zwei Tage. Schnellere, molekulargenetische Verfahren haben sich aufgrund ihrer großen Störanfälligkeit nicht durchgesetzt. Auf die Feststellung einer etwaigen Resistenz der E.-coli-Bakterien kann indessen nicht verzichtet werden – zum einen wegen eines möglichen Therapieversagens, zum anderen wegen einer weiteren Zunahme von Resistenzen.

Einen Ausweg aus diesem Dilemma könnte ein neues PCR-freies Testverfahren eröffnen: Path.Ident, ein Diagnosesystem, das mit molekularbiologischen Methoden funktioniert. „Wir entwickeln ein Mikrosystem zur schnellen genotypischen Diagnostik“, so Bülow. Der Test identifiziert die pathogenen Keime schnell und kulturunabhängig und weist ihr krankmachendes Potenzial und ihre mögliche Antibiotikaresistenz nach. Das kann zum gezielteren Einsatz von Antibiotika führen und die Behandlungskosten senken. Vor allem wird damit das Risiko zunehmender Resistenzen erheblich eingedämmt.

Path.Ident soll bei Marktreife in Arztpraxen und klinischen Ambulanzen eingesetzt werden. Das leicht zu bedienende Einwegsystem vereint alle Schritte von der Vorbereitung der Urinprobe bis hin zum Nachweis in der Kartusche in sich. Hohe Sensitivität, sichere Handhabung und die kurze Untersuchungsdauer von weniger als einer Stunde sollen ein gutes Kosten-Nutzen-Verhältnis gewährleisten.

Das Projekt „Path.Ident“ ist einer der Gewinner des Innovationswettbewerbs Medizintechnik 2006 und soll vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit bis zu 1,5 Millionen Euro für die Durchführung eines Transferprojekts gefördert werden.