Bei einem Blasensprung vor der 22. Schwangerschaftswoche wird das Kind ohne das schützende Flüssigkeitspolster stark eingeengt, und die Organe drücken auf die Lunge. Daher ist sie bei der Geburt viel zu klein oder kann das Blut nicht mit Sauerstoff anreichern. Jedes zweite Baby erstickt nach der Geburt. Zudem liegt es nun ungeschützt vor Keimen im Mutterleib, und die Gefahr einer lebensgefährlichen Infektion für das Kind ist groß. Daher wird nach einem so frühzeitigen Blasensprung meistens die Schwangerschaft abgebrochen.

Professor Dr. Thomas Kohl, Leiter des Deutschen Zentrums für Fetalchirurgie und minimal-invasive Therapie (DZFT) am Universitätsklinikum Bonn, führte eine vorgeburtliche Operation durch. Noch ist ein solcher fetalchirurgischer Eingriff ein Experiment mit ungewissem Ausgang.

Bei dem Eingriff führen die Bonner Fetalchirurgen über eine kleine Öffnung im Bauch der Mutter das Operationsgerät - so dick wie eine Kugelschreibermine - in die Fruchthöhle ein. Vorsichtig tasten sie sich mit diesem so genannten Fetoskop - unterstützt durch Kamera und Ultraschall - über die Mundöffnung bis zur Luftröhre des Ungeborenen vor. Ein dort aufgeblasener Mini-Ballon blockiert den Atemkanal, so dass von der vorgeburtlichen Lunge ständig produzierte Flüssigkeit nicht mehr abfließen kann. Der so aufgebaute Flüssigkeitsdruck regt die Lunge an zu wachsen.

Erstmals wurde außerdem das Eiweiß Albumin eingesetzt, das die Wasseransammlung in der Lunge erhöht und den Effekt des Latexballons verstärkt. "Die Lunge unserer kleinen Patientin ging auf wie ein Hefekuchen. Der Ballon blieb fünf Tage in der Lunge, und in dieser Zeit hat sich das Lungenvolumen fast verdoppelt", sagt Fetalchirurg Kohl. Das Mädchen erblickte in der 33. Schwangerschaftswoche das Licht der Welt. Dann übernahmen die Frühchenspezialisten der Neonatologischen Intensivpflegestation die nachgeburtliche Versorgung. Heute ist das Mädchen ein Jahr alt und putzmunter.

MEDICA.de; Quelle: Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn