Behandlung: Ergotherapie bei Demenz erfolgreich

08.08.2013
Foto: Ergotherapie

Ergotherapie kann bei Demenz-Patienten Lebensqualität, Stimmung und Gesundheitszustand verbessern; © panthermedia.net/Rolf Robischon

Bei mittlerer bis schwerer Demenz wirkt eine an die Betroffenen angepasste Ergotherapie. Zu diesem Ergebnis kommen Wissenschaftler, die dazu die Wirksamkeit der Ergotherapie untersucht haben. Demnach kann sie auch kostengünstiger sein als eine medikamentöse Behandlung.

Die Wissenschaftler bewerteten das verfügbare Wissen auf Basis einer systematischen Literaturrecherche. In einem HTA-Bericht (Health Technology Assessment, wissenschaftliche Bewertung gesundheitsrelevanter Verfahren und Technologien) fassen sie ihre Ergebnisse zusammen.

Der Bericht weist nach, dass sich ergotherapeutische Verfahren positiv auf unterschiedliche Lebensbereiche von Patienten auswirken. Die medizinischen Effekte unterscheiden sich je nach untersuchtem Behandlungsverfahren:

- Kognitive Stimulation – Training geistiger Funktionen wie Konzentrationsfähigkeit oder Gedächtnis: verzögert bei leichter bis mittlerer Demenz den geistigen Abbau und vermindert Verhaltensauffälligkeiten wie Aggression. Bei schwerer Demenz kaum wirksam.

- Sensorische Stimulation – Sinnesanregung und verstärkte Reizwahrnehmung, zum Beispiel durch Licht, Musik oder Duft: zeigt positive Effekte in allen drei Stadien der Demenz, zum Beispiel beim Sozialverhalten und täglichen Aktivitäten.

- Funktions- und Fertigkeitstraining (geistig wie körperlich): kann in Kombination mit anderen Verfahren Lebensqualität, Stimmung und Gesundheitszustand verbessern.

Auch Angehörigenberatung wirkt positiv. Sie entlastet Betreuende und steigert ihre Lebensqualität, sodass sie besser zum Therapieerfolg beitragen können. Zwei Studien belegen, dass Ergotherapie zudem kosteneffektiv ist. Die ergotherapeutische Behandlung verringert demnach Kosten für ärztliche, pflegerische und familiäre Betreuung. Eine weitere Studie gibt Hinweise darauf, dass durch Ergotherapie Demenzerkrankte um bis zu eineinhalb Jahre später in ein Heim kommen.

Bei anderen Behandlungsmethoden sind die Ergebnisse nicht eindeutig: Höchstens geringe Effekte finden die Autoren zur sogenannten Validation. Dabei wird im Umgang mit den Patienten ihre Vorstellungswelt angenommen. Auch zu Aktivierungskonzepten fehlen eindeutige Ergebnisse (anleiten dementer Patienten zu einer Aktivität). Multikomponentenprogramme, die kognitive Stimulation, Erinnerungsarbeiten und Entspannungsmaßnahmen kombinieren, zeigen zwar Erfolge. Unklar ist jedoch, ob dies auf die jeweiligen Therapien oder lediglich die regelmäßige Aktivierung zurückzuführen ist.

MEDICA.de; Quelle: Deutsches Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI)